Linkspartei : Ostdeutsche Funktionäre fordern mehr Einfluss von Gysi

Die Spaltung der Linken droht weiter. Vor allem die Ost-Funktionäre wünschen sich jetzt einen größeren Einfluss von Fraktionschef Gregor Gysi. Andere betonen, dass auch Ex-Parteichef Oskar Lafontaine und seine Lebensgefährtin Sahra Wagenknecht mit Blick auf die Bundestagswahl 2013 eine zentrale Rolle spielen müssen.

Gregor Gysi
Gregor GysiFoto: dpa

In der Linken wächst nach dem Parteitag der Wunsch nach mehr Einfluss von Bundestagsfraktionschef Gregor Gysi, um den offenen Streit zwischen Ost- und Westflügel zu überwinden. Der Berliner Landesvorsitzende Klaus Lederer sagte dem Tagesspiegel, Gysi habe gezeigt, dass er ein „authentisches Sprachrohr für Empfindlichkeiten in der Partei“ sei. Auf die Frage nach einer Spitzenkandidatur Gysis bei der Bundestagswahl meinte Lederer, er wolle den Delegierten nicht vorgreifen, aber „das wünsche ich mir“. Der sächsische Landesvorsitzende Rico Gebhardt sagte, Gysi stehe gerade in der Fraktion vor einer „unwahrscheinlichen Integrationsaufgabe“ zwischen Ost und West.

Gysi hatte am Samstag auf dem Parteitag scharf eine „Arroganz gegenüber den östlichen Landesverbänden“ kritisiert. Westfunktionäre fragten anschließend empört, ob sich Gysi noch unter Kontrolle habe. Umgekehrt zweifelte etwa Gebhardt daran, dass die Botschaft des Fraktionsvorsitzenden wirklich verstanden worden sei, gerade nach der Wahl der neuen Parteichefs. Der Sachse meinte, es wäre der „größte Fehler“, wenn sich die Linke jetzt im Westen auf das Gewerkschaftsmilieu beschränken würde. Es gehe auch und besonders um das linksliberale Spektrum. „Das kann Gysi einfangen.“

Der hessische Bundestagsabgeordnete Wolfgang Gehrcke meinte, Gysi sei weder gestärkt noch geschwächt. Der Fraktionschef zähle aber – neben Parteivize Sahra Wagenknecht und Ex-Chef Oskar Lafontaine – zum Kreis der potenziellen Spitzenkandidaten bei der Wahl 2013. Auch die neue Vorsitzende Katja Kipping äußerte sich hoffnungsvoll, dass unter anderem Lafontaine, Gysi und Wagenknecht 2013 „eine wichtige Rolle spielen“. Gysi kündigte in der "Leipziger Volkszeitung" an, er werde in diesem Sinne "noch mal mit Oskar reden". Lafontaine gab seinen Genossen aber einen Korb. "Diese Frage habe ich definitiv beantwortet", sagte er der "Passauer Neuen Presse": "Wir haben gute Inhalte und auch genügend Personal, das überzeugen kann." Lafontaine hatte bei seinem Verzicht auf eine erneute Kandidatur für den Parteivorsitz auch erklärt, er wolle nicht Spitzenkandidat werden.

Der Berliner Bundestagsabgeordnete Stefan Liebich lobte Gysis Auftritt in Göttingen als „sehr klar“. Er sprach aber von der Notwendigkeit, dem von Gysi gezeichneten „düsteren Bild“ entgegenzuwirken. „Es ist nichts geheilt, aber es besteht die Möglichkeit dafür", sagte Liebich dem Tagesspiegel. Die neuen Vorsitzenden Kipping aus Sachsen und Bernd Riexinger aus Baden-Württemberg sind beide nicht im Reformerlager verankert.

Die rund 550 Delegierten wählten den Landeschef von Sachsen-Anhalt, Matthias Höhn, zum Bundesgeschäftsführer. Bei der Wahl des Schatzmeisters setzte sich Amtsinhaber Raju Sharma aus dem Reformerlager gegen den Lafontaine-Vertrauten Heinz Bierbaum aus dem Saarland durch, bisher Vize-Parteichef. Als stellvertretende Vorsitzende gehören die bisherige Bundesgeschäftsführerin Caren Lay, die Bundestagsabgeordneten Jan van Aken und Axel Troost zum Führungskreis. In diesem Amt bestätigt wurde auch Sahra Wagenknecht.

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