Zeitung Heute : Liquidität nachhaltig sichern

Factoring: Der Verkauf von Forderungen sorgt für Zahlungsfluss

Holger K. verkauft Sanitärobjekte im Groß- und Außenhandel. Die positive konjunkturelle Entwicklung hat auch seinen Betrieb erfasst. Die Umsätze sind deutlich gestiegen, auch im Ausland hat sich der Kundenkreis erweitert. Dennoch kann sich Holger K. nicht uneingeschränkt freuen. Die Zahlungsmoral hat sich mit dem wirtschaftlichen Aufschwung nämlich nicht gebessert. Auch wenn er ausschließlich an gewerbliche Kunden liefert, sind die Außenstände groß. Deren Bearbeitung nimmt immer mehr Zeit ein. Letztlich leidet die Liquidität seines Unternehmens darunter. Schon vor einiger Zeit hat ihm sein Berater von der Berliner Volksbank als Lösung Factoring vorgeschlagen. Doch was ist das eigentlich?

Factoring wird in Deutschland durch Spezialinstitute angeboten. Diese kaufen Forderungen eines Unternehmens sofort bei der Entstehung an. Dem Unternehmen fließt dadurch sofort Liquidität zu. Es wird zwar ein Betrag von zehn bis zwanzig Prozent der Rechnungssumme als Sicherheit für eventuelle Kürzungen seitens der Abnehmer einbehalten, dieser wird aber bei Zahlung durch den Abnehmer oder spätestens 120 Tage nach Fälligkeit ausgezahlt. Das Gros des Rechnungsbetrages zahlt das Factoring-Institut jedoch sofort aus. Somit kann man Lieferantenrechnungen mit Skonto bezahlen. Der Unternehmer gibt mit dem Verkauf der Forderungen auch das gesamte Mahnwesen aus der Hand – wenn er es denn will. Der Vorteil liegt auf der Hand: Keine zeitaufwändige Überwachung der Zahlungseingänge, keine Erstellung und kein Versand von Mahnschreiben mehr. Fristen können nicht versäumt werden, durch die das Mahnwesen noch einmal neu aufgerollt werden müsste. Dieses Risiko und sogar das des Forderungsausfalls liegen beim Factoring-Institut. Besonders vorteilhaft wirkt sich diese Leistung aus, wenn man viele ausländische Abnehmer hat. Denn das Factoring-Institut beherrscht das Mahnwesen auch in der jeweiligen Landessprache und kennt die Rechtsunterschiede.

Aber: Was werden die Kunden sagen, wenn sie Mahnungen von einem Factoring-Institut bekommen? Ist Factoring nicht ein Zeichen für anstehende Illiquidität? Dieses Vorurteil hält sich noch immer in den Köpfen, ist aber völlig unzutreffend. Vielmehr ist Factoring nach mehrfach zweistelligen Zuwachsraten inzwischen als probates Instrument der Liquiditäts- und Zahlungsstromsteuerung anerkannt.

Im genossenschaftlichen Finanzverbund bietet die VR FACTOREM diese Dienste an. Die Factoringgebühren liegen bei 0,7 bis 3,2 Prozent des Umsatzes. Wer vorrangig an gewerbliche Abnehmer liefert und einen Umsatz von mindestens 500.000 Euro im Jahr hat, ist ein potenzieller Factoring-Kunde für die Berliner Volksbank.

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