Zeitung Heute : Lissabon: Hintertür für Spione

Hella Kaiser

Nationalfeiertage haben oft eine lange Geschichte. Jener, der jährlich am 1. Dezember in Portugal begangen wird, geht auf das Jahr 1640 zurück. Damals erlangte das Land nach sechzigjähriger spanischer Herrschaft die Unabhängigkeit zurück. Auch in diesem Jahr wird sich deshalb das Volk wieder rund um den mächtigen Obelisken auf der Praça dos Restauradores, dem Unabhängkeitsplatz, versammeln.

So ein Platz ist der rechte Ort für ein Grandhotel. 1892 wurde es gebaut und mit eben jenem Luxus versehen, den noble Gäste nun mal erwarteten. Nicht nur über Kunst und Kultur wurde hier schwadroniert, sondern auch Politik gemacht. Die Haute Volée, Künstler und solche, die sich dafür hielten, kamen regelmäßig. Und: Diktator Salazar war Stammgast. Ein gut getarnter Weg führte direkt vom benachbarten Bahnhof Rossio in den vierten Stock des Hotels. Oppositionelle hatten das rasch herausgefunden, und so schlüpfte auch der eine oder andere Spion über die geheime Schwelle.

Die legendäre Pforte ist längst verschlossen. Sonst aber ist nach mehrjähriger Restauration alles so fein wie einst. Die kunstvolle gläserne Jugendstildecke in der Halle kommt wieder wunderbar zur Geltung, Zimmer und Salons sind im Empirestil eingerichtet. Fünf Sterne prangen neben dem noblen Entree des Avenida Palace Hotels. Im europäischen Vergleich einer zuviel, denn viele der 82 Zimmer sind sehr klein, die Bäder bisweilen winzig. Offenbar hatte man dem Denkmalschutz Tribut zollen müssen.

Aber dann schaut man beim Frühstück auf den Praça dos Restauradores und hat die kleinen Nachteile schon vergessen. Man schaut auf eine Bühne: Menschen eilen über den Platz, begrüßen sich kurz, lachen, rufen. Ein Schritt vor die Tür, und Lissabon lässt sich bequem zu Fuß erobern. Und wer abends in den Gassen der Altstadt noch einen Schlummertrunk genießt, hat es danach nicht mehr weit ins bis ins königlich breite Bett.

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