Zeitung Heute : Literarische Plaudereien

Michaela Soyer

Nathan Zuckermann hat eine kreative Pause eingelegt. In Philip Roths Buch Shop Talk stehen reale Schriftsteller im Mittelpunkt. Roth ermöglicht dem Leser einen Blick durch das Schlüsselloch seiner Kollegen und verrät dabei auch ein wenig über sich selbst. Die Frage: Was treibt einen Autor zum Schreiben? Das Buch ist eine Sammlung von Gesprächen und Porträts die im Laufe der Jahre entstanden sind. Bei Primo Levi, Aaron Appelfeld und Isaac B. Singer ist die gebrochene jüdische Identität der kreative Motor. „Meine verborgensten Kindheitserinnerungen wurden von dem Ruß der Züge besudelt“, so Aaron Appelfeld.

Ohne Voyeurismus entfaltet Roth die Biografie seiner Kollegen. Auch die gemeinsamen Vorbilder sind Thema. Immer wieder beziehen sich die Gesprächspartner auf Kafka und liefern dabei die unterschiedlichsten Interpretationen seines Werkes. Die uprätentiöse Art der Gesprächsführung macht aus „Shop Talk“ eine wunderbare Sammlung von Miniatur-Poetiken. Es ist ein sehr untypisches Philip-Roth-Buch. Die Zutaten haben andere geliefert, er hat nur den Bogen gespannt. „Shop Talk“ macht Lesehunger: auf Roth, auf Kafka und alle die anderen Autoren, die in diesem Buch vorgestellt werden.


Dieses Buch bestellen Philip Roth: Shop Talk. Gespräche. A. d. Amerik. von Bernhard Robben. Hanser, München 2004. 204 Seiten, 17,90 €.

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