LITERARISCHES DOPPELKiran Desai und Ben Marcus : Einsam wie nie zuvor

Tessa Mondiani

Sie wohnen beide in New York, sie gehören als Schriftsteller zu einer Generation, und sie sind in diesem Herbst beide Fellows an der American Academy am Wannsee. Sonst haben Kiran Desai (Foto, oben), die indischstämmige Booker-Prize-Gewinnerin 2006 („Erbin des verlorenen Landes“) und Ben Marcus (unten), der bei Hoffmann & Campe gerade seine Storysammlung „An Land gehen“ veröffentlicht hat, auf den ersten Blick nur wenig gemeinsam. Sie, 1971 in Chandigarh geboren, ist eine prägende Stimme dessen, was man heute globale Literatur nennt. In mehreren Erzählschichten entwirft ihr zweiter Roman ein ebenso buntes wie groteskes Panorama von amerikanischen Wirtschaftsflüchtlingen, in Indien zurückgelassenen Kolonialgewächsen und Globalisierungsgewinnlern. Er, 1967 in Chicago geboren, gilt als Protagonist einer ungebrochen postmodernen Literatur, die dystopische, ja apokalyptische und postapokalyptische Züge trägt, und hat sich zuletzt mit seinem Roman „Das Flammenalphabet“ einen Namen gemacht.

Beide teilen indes einen untrüglichen Sinn für die Einsamkeiten, die moderne Gesellschaften heraufbeschwören – und auch den Schutzraum der Familie nicht intakt lassen. Davon erzählt auch Desais in Arbeit befindlicher Roman „The Loneliness of Sonia and Sunny“. Im Rahmen der Literaturreihe der US-Botschaft lesen sie aus ihren Texten und geben Gregor Dotzauer, dem Literaturredakteur des Tagesspiegels, Auskunft über ihre Arbeit. Joanna Martin übersetzt aus dem Englischen in die deutsche Gebärdensprache. Tessa Mondiani

English Theatre Berlin, Mo 18.11., 20 Uhr, 3€. Schulklassen frei nach Registrierung unter

IRCBerlin@state.gov

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben