Zeitung Heute : Live aus dem Stadion

Der Tagesspiegel

DER 32. SPIELTAG

Halten wir uns mal lieber an die strenge Anordnung des sonst so gemütlichen dicken Calli und feiern Bayer Leverkusens Meisterschaft nicht, noch nicht. Aber dass es nicht Bayern München sein wird, das die Leverkusener noch mit dem letzten Atemzug vom Throne blasen kann, darf man doch schon sagen, lieber Reiner Calmund? Das wird nämlich wohl nichts mehr mit den Bayern in dieser Saison, es hat ja lange Zeit kaum gegen zehn Berliner um ihren erfrischend unverbildeten Interimstrainer Falko Götz zur Wiedergutmachung einer verkorksten Saison gereicht. Warum nicht, ist schwer zu sagen, warum die Bayern nicht rannten, als ginge es noch um die Champions-League-Teilnahme, sondern am Ende das Glück, und davon auch noch zu viel, in Anspruch nahmen, ich weiß es wirklich nicht. Ich möchte aber mal behaupten , dass der gestrige Krampf nicht daran lag, dass Stefan Effenberg, der wahrscheinliche künftige Bundesarbeitsminister, nicht dabei war.

Effenberg, immer wieder Effenberg. Ich will es mal so sagen: Den jetzigen Abgang hat er nicht verdient - er hat aber nach Kräften darum gebettelt. Und dann gab es gestern im Münchner Olympiastadion noch vor dem Anpfiff eine kleine, rührende Szene, die vielleicht schon auch eine Menge mit Effenberg und mit der verkorksten Saison und mit dem FC Bayern zu tun hat. Das war, als der Manager Uli Hoeneß vors Mikrofon trat und sich sichtlich bewegt vom vergangene Woche verstorbenen langjährigen Busfahrer Rudi Egerer verabschiedete. Selbstverständlich ist das nicht, aber Beleg, dass die eiskalten Bayern so eiskalt nicht sind. Wären Sie es, vielleicht wäre auch Trainer Hitzfeld ebenso kühl, und sie hätten gemeinsam im Winter ihren ehemals verdienten Mitarbeiter Effenberg abserviert. Sie taten es nicht, nicht mal im Zeichen der dann einsetzenden Krise, nicht mal, als eine Titelchance nach der anderen flöten ging, nicht einmal, als Effenberg selber so cool war und jegliche Dankbarkeit für so viel Dankbarkeit verweigerte. Wie gesagt, diesen Abgang hat der grandiose Fußballer Effenberg nicht verdient, so viel Gemüt auch nicht.

Genug der Bayern, aber noch nicht genug Gemüt in dieser Saison. Nächste Woche, Calli, dann aus Leverkusen bitte.

Der Fernsehreporter Marcel Reif kommentiert im Tagesspiegel jeden Sonntag die Bundesliga.

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