Zeitung Heute : Lob des Eisens

Preußische Preziosen auch im Märkischen Museum

Michaela Nolte

Schon für Plinius war Eisen „das beste und das schlimmste Werkzeug im Leben“, diente es doch als Grundstoff für nützliche Gebrauchsgüter und für Kriegsgerät zugleich. Der künstlerische Wert des Eisens war von jeher gering, denn als Antipode zum Gold stand es in der Materialhierarchie ganz unten. Erst mit der industriellen Revolution kam der Eisenkunstguss auf, dessen Blüte aufs Engste mit der unter Friedrich Wilhelm III. eingerichteten Königlich Preußischen Eisengießerei verknüpft war.

Die Stiftung Berliner Stadtmuseum nimmt deren Gründung im Jahre 1804 nun zum Anlass für einen Einblick in Techniken und Erzeugnisse des königlichen Unternehmens, und präsentiert im Märkischen Museum die Preziosen der rund 800 Stücke umfassenden Eisen-Sammlung. Kunstvoll ziselierte Teller und antikisierende Amphoren zählen ebenso dazu wie Bildnisbüsten, Taufbecken oder Eisengitter. Beispiele finden sich auch auf der Ars Nobilis.

Nicht zuletzt dank der Zusammenarbeit mit Künstlern wie Karl Friedrich Schinkel oder Christian Daniel Rauch avancierte der Eisenguss in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts zum zentralen Kunstzweig in Preußen. Seinen Zenit erlangte das „Berliner Eisen“ unter der napoleonischen Besatzung. Mit einer patriotischen Aufwertung des Materials begegnete man dem Joch in Gedichten wie Ernst Moritz Arndts „Lob des Eisens“, mit gusseisernen Denkmälern oder überraschend filigranem Schmuck. Zunächst als Trauerschmuck geschätzt, gipfelte die Bedeutung des Eisengusses für Accessoires während der Befreiungskriege in der Losung: „Gold gab ich für Eisen“.

In sechs Abteilungen präsentiert die Ausstellung einen kulturhistorischen Bogen, dessen Auftakt eine Grafik mit dem wohl populärsten Eisen-Monument macht: Schinkels Nationaldenkmal auf dem Kreuzberg. Eine Chronik der Berliner Hütte ist auf den Neujahrsplaketten dokumentiert. Diese von 1805 bis 1848 alljährlich als Neujahrsgruß produzierten Relief-Miniaturen zeigen Gebäude wie das Verkaufsmagazin mitsamt seinem Angebot; als Geschenkartikel trugen sie zudem zur Verbreitung der „Eisen-Mode“ bei.

Märkisches Museum, Am Köllnischen Park 5, 18. November 2004 bis 3. April 2005; Dienstag bis Sonntag 10-18 Uhr.

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