Zeitung Heute : Lockruf über den Atlantik Fünf Millionen Euro

für Roboter-Experten

Der Bioinformatiker Oliver Brock von der Universität Massachusetts in Amherst erhält fünf Millionen Euro, um an der TU Berlin eine Professur für Informatik, künstliche Intelligenz und Robotik aufzubauen. Das Geld stiftete die Alexander von Humboldt–Stiftung, es kommt vom Bundesforschungsministerium. Oliver Brock ist einer von neun Wissenschaftlern, die mit einer „Humboldt-Professur“ geehrt werden. Damit will die Stiftung international führende Forscher nach Deutschland holen. Das Geld soll ihnen ermöglichen, hierzulande unter konkurrenzfähigen Bedingungen Spitzenforschung zu betreiben.

Oliver Brock leitet an der US-Universität das Labor für Robotik und Biologie. Er gehört zu den Vorreitern der Erforschung künstlicher Intelligenz für Roboter, die sich selbstständig bewegen. Dabei kommt es darauf an, komplizierte Reaktionen und Bewegungsabläufe zu beherrschen. Ein Beispiel ist der künstliche Arm „U-Man“, der auf einem mobilen Unterbau montiert ist. Er gehört zu einer neuen Generation von Robotern, die selbstständig lernen können.

„U-Man verhält sich nicht anders als ein kleines Kind“, sagt Oliver Brock. „Er beobachtet seine Umwelt, untersucht die Gegenstände, um herauszufinden, wie sie funktionieren, und versucht sie dann zu bedienen und Aufgaben zu lösen.“ Entwickelt wurde U-Man von Brock und dessen Kollegen Dov Katz. Im Sommer dieses Jahres präsentierten sie ihre Erfindung erstmals der Öffentlichkeit. Roboter wie U-Man können beispielsweise in der Medizin, in der Raumfahrt oder nach radioaktiven Unfällen eingesetzt werden. Neben seinen Forschungen zur künstlichen Intelligenz beschäftigt sich der Wissenschaftler mit der Strukturvorhersage von Proteinen und der Simulation von molekularen Bewegungen.

Momentan verhandeln Oliver Brock und die Leitung der TU Berlin über eine Berufung. „Das ist ein bedeutender Erfolg für die TU Berlin als Forschungsuniversität und spiegelt die enorme Leistungsfähigkeit der Berliner Universitätslandschaft wider“, sagte TU-Präsident Kurt Kutzler zur Nominierung der TU Berlin. Er fügte an, Oliver Brock sei trotz seines jungen Alters von 39 Jahren bereits ein gefragter Wissenschaftler, der in den USA auf dem Gebiet der Robotik maßgeblich die Förderpolitik und Forschungsrichtung mitbestimme.Wenn alles gut geht, könnte der Informatiker also bald wieder in seiner Heimatstadt forschen. 1993 war er nach dem Studium an der TU Berlin in die USA gegangen.

Bei den neun Humboldt-Professuren, die in diesem Jahr erstmals vergeben wurden, schnitt Berlin besonders gut ab. Neben dem Lehrstuhl für die TU Berlin wurden zwei Professuren an die Freie Universität vergeben. Die übrigen sechs Preisträger sollen künftig in München, Ulm, Bonn und Köln forschen. stt/sys

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben