Zeitung Heute : „Logistik-Profis haben Zukunft“

Rund 80 Hochschulen bilden aus

-

H. BAUMGARTEN

ist Direktor des Instituts für Technologie und

Management, Bereich

Logistik, an der Technischen Universität Berln.

Foto: pr

Herr Professor Baumgarten, nach Erkenntnissen Ihres Instituts brauchen sich Logistik-Profis keine Sorgen um ihre berufliche Zukunft zu machen. Wie ist Ihre Einschätzung?

Der Logistikmarkt ist – sogar in der allgemein schwierigen Wirtschaftslage – ein Bereich, in dem es boomt. Der jährliche Bedarf an Führungskräften mit Hochschulabschluss beträgt rund 3500 Fachleute. Inzwischen haben mehr als 50 Hochschulen und rund 30 Fachhochschulen das Fach Logistik auf dem Lehrplan. Der größte Weiterbildungsträger ist die private Wirtschaft. Die rasanten Veränderungen in Industrie-, Handels- und Dienstleistungsunternehmen und auch die Entwicklungen in der Logistik selbst erfordern eine internationale und interdisziplinäre Ausrichtung des Berufsbilds.

Was ändert sich, worauf muss sich der Nachwuchs einstellen?

Laut einer aktuellen Unternehmensbefragung unseres Instituts werden Kenntnisse im Logistik-Management, die durch Logistik-Technologien ergänzt werden, als sehr wichtig eingeschätzt. Ganzheitliches und analytisches Denken sowie ein ausgeprägtes Organisationstalent bilden die Basis für eine Tätigkeit im Logistik-Management. Die zunehmende Verankerung der Logistik in den oberen Hierarchieebenen der Unternehmen erfordert darüber hinaus Qualitäten bei der Führung von Mitarbeitern und Projektteams, Basiswissen in anderen Disziplinen sowie verstärkt Fremdsprachenkenntnisse – zur Kommunikation mit Kunden und Partnern. Insbesondere die Vernetzung von Unternehmen und Wertschöpfungsketten erweitert das Anforderungsprofil an den Logistiker. Er muss heute mehr denn je als Moderator und Vermittler auftreten – und braucht gleichzeitig eine hohe Teamorientierung. Der übergreifende und strategische Charakter der Logistik wiederum spiegelt sich in der wachsenden Bedeutung von Fachkenntnissen im strategischen Management, im Projektmanagement und im Controlling für den Logistiker wider.

Das hört sich wie die Suche nach einem Allround-Talent an.

Logistiker sind bestimmt von ständig komplexer werdenden Aufgaben und Technologien. Deshalb steht an erster Stelle die Fähigkeit, sehr unterschiedlich strukturierte Prozessketten zu managen. Dafür müssen Führungskräfte der Logistik solide Kenntnisse höchst unterschiedlicher Disziplinen in Wirtschaft und Technik vereinen. Das Studium des Wirtschaftsingenieurwesens bildet dafür die optimale Grundlage. Auch ein hohes Maß an Einfühlungsvermögen und charakterlicher Eignung, die so genannten Soft Skills, müssen die zukünftigen Manager mitbringen. Und je intensiver der Wettbewerb aufgrund der Globalisierung voranschreitet, desto geforderter sind Logistiker, mit ihrem Fachwissen zur Lösung komplexer Koordinationsprobleme beizutragen – wie etwa bei der unternehmensübergreifenden Zusammenarbeit zwischen Netzwerkpartnern. Insoweit ist tatsächlich ein Allround-Talent gefragt.

Die Fragen stellte Regina-C. Henkel

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben