Zeitung Heute : Lohnende Investition

Peter-André Alt

In wenigen Wochen werden die Verhandlungen über die neuen Hochschulverträge abgeschlossen. Seit 1997 garantiert das Land Berlin seinen Hochschulen verbindliche Zuschüsse und Leistungen für eine Laufzeit von vier Jahren. Eingeführt wurde dieses Verfahren in Zeiten massiver Haushaltsbeschränkungen mit der Absicht, den Hochschulen bei schwindenden Grundeinnahmen zumindest mittelfristig Planungssicherheit zu geben. Damit die Präsidien nicht jedes Jahr neu nachsteuern müssen, sollte eine halbwegs belastbare Ausgabenstrategie ermöglicht werden. Allerdings sank der Landeszuschuss seit Ende der 1990er Jahre kontinuierlich ab; das Prinzip der Verträge bedeutete, wie Spötter behaupteten, „Armut in Freiheit“.

Erstmals wurde dieser Trend vor vier Jahren aufgehalten – im Rahmen eines neuen Bemessungsmodells, das für die Hochschulen Vor- und Nachteile bot. Positiv war, dass die Finanzmittel nicht weiter reduziert wurden; problematisch blieb, dass der Sockelbetrag, der eine stabile Mittelzuweisung für vier Jahre garantiert, nur noch 30 Prozent ausmachte, während die übrigen 70 Prozent durch Leistungen der Hochschulen erst verdient werden mussten. Zu solchen Leistungen gehören eine steigende Zahl neu aufzunehmender Studierender, Erfolge bei der Drittmitteleinwerbung und die Förderung von Frauen in wissenschaftlicher Tätigkeit.

Eine grundsätzliche Veränderung dieses Modells wurde in der aktuellen Verhandlungsrunde nicht erwogen. Allerdings sollen in den kommenden Jahren die Sockelbeträge verstärkt und die zu erbringenden Leistungen weniger kleinteilig definiert werden. Die Hochschulen möchten vor allem sicherstellen, dass sie die steigenden Kosten bei Personal und Energieaufwendungen in den nächsten Jahren auffangen können, ohne Aktivitäten reduzieren zu müssen. Das bedeutet die Notwendigkeit, den Landeszuschuss anzuheben, damit keine Studienplätze entfallen und keine Stellenzahlen verringert werden müssen. Dass Sandra Scheeres, Senatorin für Bildung, Jugend und Wissenschaft, diesen Ansatz im Prinzip anerkennt, zeugt von der Wertschätzung, die die Arbeit der Hochschulmitarbeiterinnen und -mitarbeiter durch sie erfährt. Das war und ist nicht selbstverständlich, wie man gerade in Berlin weiß.

Zugleich gilt, dass die Berliner Hochschulen selbstbewusst auftreten können, denn sie stehen vorzüglich da. Die Universitäten weisen bemerkenswerte Drittmittelbilanzen auf und besitzen hohe internationale Reputation. Die Freie Universität hat 2012 zum zweiten Mal das Exzellenzprädikat erhalten; die Humboldt-Universität ist erstmals im Reigen der elf Besten vertreten. Beide befinden sich unter den hundert herausragenden Universitäten der Welt. Die Technische Universität hat ihre Industriepartnerschaften ausgebaut; Fachhochschulen und Künstlerische Hochschulen zeigen ein weit überdurchschnittliches Qualitätsniveau.

Das Geld, das in Berliner Hochschulen investiert wird, ist gut angelegt. Durch die von uns eingeworbene Zusatzfinanzierung – im Fall der Freien Universität fast 110 Millionen pro Jahr – schaffen wir neue Arbeitsplätze. Wir bilden unsere Studierenden erfolgreich aus, bringen Menschen in qualifizierte Beschäftigung, erzeugen technologische Innovationsfelder mit hohen wirtschaftlichen Potenzialen und schaffen für Schlüsselbereiche wie Medizin, Verkehr und Umwelt die nötige Wissensinfrastruktur. Ohne ausreichende Finanzmittel werden wir aber unsere Erfolge nicht fortsetzen können. Berlin ist in den vergangenen drei Jahren zum ersten Wissenschaftsstandort Deutschlands aufgestiegen. Damit das so bleibt, müssen die Hochschulen auskömmlich finanziert werden. Wer in sie investiert, tut das Richtige für die Stadt.

Der Autor ist Präsident der Freien Universität Berlin

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