Zeitung Heute : Lok-Vogel vor dem Abflug

Der Tagesspiegel

Schon zum zweiten Mal muss die „Lok 2000“ – ein Kunstwerk des Treptower Bildhauers Achim Kühn – „abdampfen“: Nachdem das neun Tonnen schwere Gefährt elf Jahre lang in der Empfangshalle des Ostbahnhofs stand und dann nicht mehr ins Konzept passte, fand sie vorübergehend in Oberschöneweide eine neue Heimat. Doch auch in den Reinbeckhallen an der Wilhelminenhofstraße – einer ehemaligen Industriehalle, die als Kulturtreff genutzt wird – kann sie nicht bleiben. Denn noch in diesem Jahr beginnt der Umbau des Areals. „Wir sind seit langem auf der Suche nach einem geeigneten Standort“, sagt Helgard Kühn, die für das Management ihres Mannes verantwortlich ist. Schließlich war bekannt, dass Oberschöneweide nur ein Zwischenstopp sei. Aber noch sei nichts Passendes gefunden. Das Kunstwerk sollte auf jeden Fall in einem Innenraum stehen, weil sonst die historischen Teile, wie die Räder und Federn, rosten würden, erklärt der Bildhauer. Er könne bis heute nicht verstehen, weshalb es für die Lok angeblich in keinem einzigen Bahnhof Deutschlands einen Platz gebe. „Aber das hat mir die Deutsche Bahn vor zwei Jahren mitgeteilt, als der Ostbahnhof umgebaut wurde.“ Kühn glaubt, dass ohne seine damaligen Bemühungen das Kunstwerk verschrottet worden wäre. Diese Vorwürfe weist die Deutsche Bahn AG zurück. Aber im umgestalteten Bahnhof sei eben dafü r kein Platz mehr, heißt es aus dem Unternehmen. 1989 entstand die Lok. Sie ist 3,6 Meter hoch und 5,5 Meter lang und besteht aus mehr als 30 Einzelteilen. In den vergangenen Monaten hat sich das Künstlerehepaar Kühn die Finger wund geschrieben: an etliche Einrichtungen mit großen Foyers und an Unternehmen. Obwohl bislang noch keine positive Antwort vorliegt, wollen die Eheleute nicht aufgeben. „Das Beste wäre, sie würde künftig wieder in einer Bahnhofshalle stehen“, sagt Helgard Kühn. bey

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