Zeitung Heute : Love Parade: Fanta auf der Couch soll Image verbessern

MATTHIAS OLOEW

KOMMEN . Die Clubs gehen, die Konzerne kommen. Die Love Parade wird als Werbefläche wieder attraktiver, nachdem sich in den vergangenen Jahren große Firmen eher bedeckt gehalten hatten. Neben dem Zigarettenkonzern Reynolds ist in diesem Jahr zum Beispiel die Coca Cola GmbH dabei, die auch mit einem eigenen Techno-Laster an der Parade über die Straße des 17. Juni teilnehmen wird. Der Soft-Drink-Hersteller nutzt das Techno-Spektakel, um eine Werbekampagne für die Limonade Fanta zu Ende zu bringen. Dreh- und Angelpunkt der Kampagne ist eine Couch, die Coca-Cola auch auf den Lastwagen mitfahren lassen wird. Die Plätze auf dem Laster hat Coca-Cola werbeträchtig bundesweit verlost.

Wer seine Zielgruppe unter der Jugend vermutet, versucht sich als Sponsor der Love Parade. Und nur wenn die Konzerne tief in die Tasche greifen, dürfen sie das geschützte Love-Parade-Logo benutzen, einen Wagen stellen und eine Kamera mitlaufen lassen, um die Bilder von tanzenden und feiernden jungen Leuten für neue Werbeclips zu verwenden.

Ähnlich machte es vor zwei Jahren auch die ARD-Seifenoper "Marienhof", die von den Bavaria-Studios in München produziert wird. Szenen aus dem Raver-Getümmel sollten für die Serie verwendet werden, damit das bis dahin betuliche Stück Fernseh-Unterhaltung endlich dahin kommt, wo es hin sollte: an die Zuschauer unter dreißig. Im Jahr danach haben die Bavaria-Studios mit einer Werbetour vor allem in den neuen Bundesländern versucht, den "Marienhof" ihrer Zielgruppe noch ein bißchen näher zu bringen.

Wieviel die Firmen allerdings für ihr Sponsoring zahlen, ist eines der bestgehüteten Geheimnisse der Love Parade. Begonnen hatte das Sponsoring der Parade Anfang der Neunziger Jahre, als der Sportartikelhersteller "Puma" entdeckte, daß die jungen Raver vorzugsweise T-Shirts mit altbackenem Design für ihr Techno-Outfit ausgeguckt hatten. Fortan setzte sich Puma an die Spitze der Bewegung, kreierte neue, aber alt aussehende Kollektionen, und machte die Love Parade zur riesengroßen Werbeschau. Ähnlich Reynolds mit der Zigarrettenmarke Camel: Der Konzern war einer der ersten, der mit einem Wagen an der Parade teilnahm und sich einen Club ins Boot holte, um den großen Reklame-Laster auch mit entsprechender Musik zu beschallen.

Seitdem Handettel nicht mehr unter die Menge geworfen werden dürfen, ging das Interesse der Werbewirtschaft zunächst zurück. Der Eishersteller Langnese gehörte lange Jahre zu den Sponsoren der Love Parade, zog sich dann zurück. In diesem Jahr beteiligt sich der Autohersteller Ford am Geschehen. Allerdings nicht an der Parade direkt. Ford will sich als Sponsor für die Reinemacheaktion im Tiergarten einen Namen machen, stellt dafür einen Trupp zum Müllsammeln unter das Kommando der Berliner Stadtreinigung, und kündigte an, auch für den Fonds "Wir für den Tiergarten" zu spenden, der aufgelegt worden ist, um das Müllsammeln im Park zu zahlen. Auch die Partys werden inzwischen mit viel geld gesponsort. So wird der Shampoo-Hersteller Clairol versuchen, seinen Slogan "Pure Lust erleben" in die Tat umzusetzen. Bei einer Party in Spandau installieren sie Freiluft-Duschen, unter die drei Leute gleichzeitig schlüpfen dürfen. Hostessen reichen dazu die nötigen Neccessaires in gestalt von Warenproben. Dafür ist dann aber auch eine Gebühr an die Party-Veranstalter fällig.

Busunternehmen, Fernseh- wie Radiostationen sind dabei, ebenso wie auch Greenpeace einmal einen eigenen Laster stellte, um die Love Parade als Werbefläche zu nutzen. Für die Telekom-Tochter TD1 wird die Love Parade 1999 zu einem Großeinsatz. 60 junge Leute werden vom Konzern nicht nur mit Handys, sondern auch mit Taschencomputern ausgestattet, um vor den Clubs, in denen die großen Partys gefeiert werden, nicht nur Handzettel zu verteilen, sondern auch Informationen weiterzugeben: Über die Wartzeit beim Türsteher, die Dienstpläne der Disc-Jockeys oder auch einen Schnupper-Vertrag vom Handy-Anbieter.

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