LOVE STORY : Syrisches Essen fühlt sich an wie Heimat

Der Geruch und die Gewürze bringen Erinnerungen zurück: Unser Autor beschreibt die Liebesgeschichte zwischen Syrern und ihrem Essen.

Hussein Ahmad
Hussein Ahmad hat während seines Sprachkurses in einem Falafel-Imbiss gearbeitet.
Hussein Ahmad hat während seines Sprachkurses in einem Falafel-Imbiss gearbeitet.Foto: Thilo Rückeis

Es gibt eine Liebesgeschichte zwischen Syrern und dem syrischen Essen, sie gehört allen Syrern. Ich erinnere mich noch daran, was meine Mutter zu Hause gekocht hat, ich erinnere mich an den syrischen Kaffee mit den Liedern der Sängerin Fairouz, das gehörte zum täglichen Leben in Syrien dazu. Ich bin jetzt in Berlin, aber es gibt mir noch immer ein wohliges Gefühl, wenn ich meine Mutter oder Schwester anrufe, die auch hier leben, und weiß: Innerhalb von Minuten kann ich wieder das syrische Essen, die syrische Tradition, die Atmosphäre, das echte Syrien fühlen.

Dieses Gefühl erfüllt mich auch, wenn ich in der Sonnenallee in ein syrisches Restaurant gehe: wenn ich merke, alle Kunden um mich herum sind Syrer, sprechen syrische Dialekte, reden über Syrien. Und wenn ich dann wieder in meiner Unterkunft bin, ist das Gefühl weg, verliere ich mein Syrien, bin ich wieder allein. Aber wir sollten immer Hoffnung haben: auf ein neues Leben in einem neuen Land, vielleicht der neuen Heimat, und Hoffnung auf eine neue Arbeit.

Ich bin von Beruf Englischlehrer, und da mein Zertifikat nicht automatisch in Deutschland anerkannt wird, kann ich nicht einfach als Lehrer arbeiten. Deswegen habe ich während meines Sprachkurses in einem Imbiss gearbeitet. Zufällig hatte ich einen Mann kennengelernt, der dort arbeitete und mir sagte, ein Mitarbeiter werde gesucht. Es war ein Imbiss, der auf die syrische Falafel spezialisiert ist. Ich habe nie davon geträumt, dass ich eines Tages in einem syrischen Imbiss in der Multikulti-Stadt Berlin arbeiten werde! Aber ich habe mich sehr darüber gefreut; denn wir leben, um zu arbeiten, ich habe nette Kollegen kennengelernt, ich mag den Kontakt mit den Kunden und habe meine Sprache durch den Small-Talk mit ihnen verbessert. Der Geruch und die Gewürze der Falafel erinnern mich an meine Heimat; ja, ich liebe die syrische Falafel.

Dieser Artikel entstand im Rahmen des gemeinsamen Projekts #jetztschreibenwir von Tagesspiegel und Friedrich-Naumann-Stiftung. Mehr Beiträge von Exiljournalisten finden Sie auf unserer Themenseite.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar