Loveparade : Duisburgs OB gesteht Fehler ein

Sauerlande: Aber nicht die Zeit für Rücktritt

Berlin - Abermals hat sich der Oberbürgermeister von Duisburg, Adolf Sauerland (55) geweigert, Forderungen nach seinem Rücktritt nachzugeben. Er stelle sich zwar die Frage, „ob man das Amt nach so einem tragischen Ereignis weiter ausüben kann“. Trotzdem sei ein Rücktritt jetzt nicht der richtige Schritt. Wenn er jetzt, wie allseits verlangt, aus dem Amt scheide, befürchte er Stillstand. „Jetzt ist die Zeit aufzuarbeiten, wenn die Antworten vorliegen, ist die Zeit zu bewerten“, sagte er dem Tagesspiegel.

Außerdem nahm Sauerland erstmals ausführlich zu Planungsfehlern in seiner Verwaltung Stellung. In einem „Spiegel“-Interview gab er zu, im Vorfeld der Loveparade von einem realen Besucheraufkommen von 250 000 Menschen ausgegangen zu sein und dafür die Genehmigung erteilt zu haben. Doch nach außen habe man die überzogene Erwartung des Veranstalters Lopavent mitgetragen, der von mehr als einer Million Besuchern sprach. Das seien „gepushte Zahlen“ gewesen, sagte Sauerland, „mit denen man Marketing und nichts anderes macht“. Gegen das Sicherheitskonzept sei hingegen nichts einzuwenden gewesen.

Sauerland bestätigte dem Tagesspiegel, schon 2009 zu dem Ergebnis gekommen zu sein, „das geht in Duisburg nicht“. Erst das Angebot des Güterbahnhofgeländes durch den Eigentümer und der unbedingte Wunsch des Veranstalters, die Loveparade dort zu machen, habe der Debatte eine neue Richtung gegeben. Sauerland bestreitet nicht, dass Lopavent Druck ausgeübt und kurz vor Ablauf der Frist des Genehmigungsverfahrens mit der Blamage einer Absage gedroht hat, aber er will dem Druck standgehalten haben. (jz)

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