Zeitung Heute : LTU: Erstes Opfer im Programm

Sabine Neumann

Möglichst viele Preisvorteile wollen künftig die Pauschalveranstalter der Rewe-Gruppe, die Kölner Traditionsmarke ITS und die von der LTU erworbenen Marken Jahn Reisen und Tjaereborg, an ihre Reisekunden weitergeben. Die elf neuen Kataloge für den Winter 2001 / 2002 sind gespickt mit Frühbucher-Rabatten, Preisnachlässen für Familien und kostenfreien Zusatzleistungen. Die positive Kehrseite der Konzentration im Reisebereich: Beim Ordern von Hotelzimmern, Flugsitzen und bei Verhandlungen mit den Zielgebiets-Agenturen, die Transfer- und Ausflugsbusse bereitstellen, erreicht die Gruppe durch das größere Einkaufsvolumen bessere Konditionen. Kosten werden auch durch gemeinsame Reiseleitung und zusammengelegte Flughafen-Büros gespart, durch vereinheitlichte EDV- und Abrechnungssysteme und nicht zuletzt durch einen gemeinsamen Vertrieb.

Eine ausgeklügelte Markenstrategie soll alte Kunden binden und neue hinzugewinnen. Dabei will sich ITS nach Angaben von Geschäftsführer Dietmar Kastner noch mehr als bisher als "familienfreundlicher Generalist" profilieren: mit den "Rennstrecken" rund ums Mittelmeer, den beliebtesten Fernreisezielen, einem großen Autoreise-Programm und einem eindeutigen Schwerpunkt im Bereich der Drei- und Vier-Sterne-Hotellerie. Das alles sei etwas "für clevere Familien", suggeriert auch die Werbung des Veranstalters. In der Tat gewähren 85 Prozent der Hotels in dem Katalog (Reiseziele von Ägypten über Bulgarien und Tunesien bis Zypern) Frühbucher-Rabatte oder locken mit Vollpension, wobei lediglich Frühstück und Abendessen bezahlt werden müssen. In nahezu 70 Prozent der Hotels gibt es neben der Kindermäßigung auch den Juniorrabatt für Kinder von zwölf bis 16 Jahren. Ähnliche Angebote gibt es im Spanien / Portugal- und im Autoreisen-Katalog.

Die Kataloge von Jahn Reisen sollen gehobenere Ansprüche befriedigen, in der Werbung ist gar vollmundig von "Reisen für anspruchsvolle Individualisten" die Rede. Die Domizile sind meist Vier- oder Fünf-Sterne-Häuser. Vital- und Wellnessurlaub, exklusive Rundreisen und auch Ziele abseits ausgetretener Touristenpfade sind die Spezialität des Anbieters. Auch Jahn, einst vom gleichnamigen "Brathendel-König" gegründet, geizt nicht mit Frühbucher-Rabatten und Ermäßigungen für Familien oder Alleinreisende mit Kind.

Mit spitzem Stift wurden die Angebote des dritten Veranstalters im Bunde nachgerechnet, von Tjaereborg. Die frühere LTU-Marke will sich als "Spezialist für günstigen Urlaub" profilieren und gibt sich dabei preisaggressiv. Die Hotels, in denen meist große Kontingente reserviert sind, liegen im Drei-Sterne-Segment. Ziele sind wieder Regionen rund ums Mittelmeer und die beliebtesten Fernreise-Destinationen. Hier wurde - wie auch von den anderen Rewe-Veranstaltern - Florida für den kommenden Winter "wiederentdeckt".

Lange haben die Rewe-Touristiker über die Zukunft der Marke smile & fly nachgedacht, die Rewe ebenfalls von LTU gekauft hatte. Zu groß war die Ähnlichkeit zur Preiswert-Marke Tjaereborg. Deshalb ist smile & fly - gleichwohl noch im Briefkopf der LTU Touristik mit einem Logo vertreten - in der Schublade verschwunden. "Zunächst einmal", heißt es dazu bei Rewe, vielleicht könne die Marke im Last-Minute-Geschäft oder im Online-Verkauf eingesetzt werden. Doch das ist sehr unwahrscheinlich: Die Verwechslungsgefahr mit der erfolgreichen Billig-Marke Eins-Zwei-Fly des TUI-Mutterkonzerns Preussag ist zu groß - jede Werbemark für smile & fly würde vermutlich das Konkurrenzprodukt stärken.

Wie andere Veranstalter auch, hat sich die LTU Touristik offenbar nicht durch die in den vergangenen Wochen erneut eskalierten Bürgerkriegsscharmützel in Sri Lanka davon abhalten lassen, die Insel vor der Südspitze Indiens mit der üblichen Bandbreite an Badeurlauben und Rundreisen ins Programm zu nehmen. Den Urlaubern wird ein "Kulturcocktail" versprochen, "der es in sich hat".

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