Zeitung Heute : Lüstern und todesverliebt - "Zum Sterben schön" in der ARD

Tom Peuckert

"Zum Sterben Schön", ARD. Ein liebestoller Wirt, der mit giftiger Alraune kocht. Eine Messerfetischistin, die Unschuldige mordet, weil sie an einer ungelösten Mutterbindung leidet. Ein Bestattungsunternehmer, der zu Werbezwecken an noch Lebende Särge verschenkt und damit prompt ihren Todestrieb aktiviert. Was haben derartige menschliche Exzentrizitäten miteinander gemeinsam?

Es sind allesamt original Münchener Gewächse, würde Regisseur Friedemann Fromm wohl antworten. Sehr morbide geht es zu in seiner Hommage an den genius loci der bayerischen Zentrale. Der geborene Münchener ist, wenn man dem Episodenfilm trauen darf, auf eine barocke Weise ebenso lüstern wie todesverliebt. Gleich nach dem Seitensprung hat der Tod die wichtigste Funktion im gesellschaftlichen Leben der Stadt: es wird fleißig gemordet hier, und für ein gutes Geschäft geht der Münchener über Leichen. Auch sieht er sich selbst gern als schöne Leiche. Blasphemisch und witzig ist das alles gemeint. Aber der Film wirkt nur verschroben. Vielleicht, weil Autor und Regisseur der Mut fehlt zu wirklich radikaler Bosheit im Umgang mit Lust und Tod. Ihr Mut reicht im Grunde nur zum folkloristischen Kalauer: Es gibt vegetarische Deckel und verbummelte Fans von 1860, taubstumme Sargträger und einen Opa mit Elvis-Tolle. Jede Menge Knallchargen in Dirndl und Lederhose. München ist gar nicht wirklich morbide. Das ist hier nur ein Verkaufstrick.

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