Zeitung Heute : Lufthansa: Die Internet-Demonstranten sehen sich schon als Sieger

Kurt Sagatz

Die Kritik der Anti-Abschiebungsinitiativen "Kein Mensch ist illegal" und "Libertad" an Lufthansa ist keineswegs neu. Auch heute wieder werden Vorstandschef Jürgen Weber und seine Vorstandskollegen in der Hauptversammlung von kritischen Aktionären mit der Forderung konfrontiert, dass sich die Fluggesellschaft stärker dagegen wehren soll, wenn Menschen gegen ihren Willen mit Lufthansa-Maschinen aus der Bundesrepublik ausgeflogen werden. Und dass die Lufthansa damit auch noch Geld verdient, wie Sven Maier von der Solidaritätsinitiativen es formuliert. Neu ist die Form des Protests, denn erstmals wird dieser auf das Internet ausgeweitet.

Wer im Internet protestieren will, kann dies nicht auf direkte Weise tun. Damit die Demonstration auch bemerkt wird, soll die Lufthansa-Webseite durch gezielte Anfragen (wie berichtet) zeitweise lahmgelegt werden. Die notwendige Software wurde 5000 Mal herunter geladen, um pünktlich Heute zu Beginn der Hauptversammlung um 10 Uhr zu starten. Ein Bombardement von Anfragen soll die Server in die Knie zwingen. Lufthansa hält kräftig dagegen. Auch wenn Pressesprecher Thomas Ellerbeck keine Einzelheiten verrät, ist klar: Die Technik wurde massiv aufgestockt.

Dabei spielt es für die Anti-Abschiebungsinitiativen inzwischen nur noch eine untergeordnete Rolle, ob die Webseite nun tatsächliche einige Zeit offline sein wird. Wichtig sei, dass alle Seiten bereits die Möglichkeiten in ihre Überlegungen einbezogen hätten, dass es so weit kommen könnte. "Damit haben wir unser eigentliches Ziel, mit den Mitteln der Kommunikationsguerilla ein Thema in die Öffentlichkeit zu bringen, in jedem Fall erreicht", meint Maier.

Erreicht haben die Initiatoren zudem, dass es in Behörden und Politik zu Verunsicherungen kam, wie mit der Online-Demo umzugehen ist. Das Kölner Ordnungsamt sieht sich nicht zuständig und verweist auf die örtliche Polizei, doch auch die wehrt ab. Maier beharrt hingegen darauf: Die Demonstration ist angemeldet und somit legal. Was wiederum von Bundesjustizministerium angezweifelt wird. Eine Demo ohne Menschen ist keine Demo, heißt es dort und weiter: Im Zweifel müssen die Gerichte entscheiden, ob es sich nicht um strafbare Computer-Sabotage handelt. Die Fluggesellschaft prüft jedenfalls, in wie weit das Zivil- und Strafrecht greift, allein schon wegen möglicher Schadensersatz-Forderungen.

Ob die Anfragewelle von 5000 PCs beim Server-Riesen der Lufthansa Wirkung zeigt, wird sich erweisen. Selbst kleinere Webseiten können sich erfolgreich gegen solche Attacken wehren. So hat die NPD laut Maier im Juni zwei Mal versucht, die Demo-Seite per Mailbombing in die Knie zu zwingen. Doch dieser Versuch sei einfach zu primitiv gewesen.

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