Luise im Tiergarten : Die Königin der Herzen ist zurück

33 Jahre lang war sie in ihrer steinernen Anmut nur noch eine Erinnerung. Erst hatte man sie, von Wind und Wetter schwer gezeichnet, teilweise demontiert und von der Luiseninsel ins städtische Lapidarium am Halleschen Ufer verbracht. „Rettet die Denkmäler“, hatte der Senat damals beschlossen. Dann ersetzte man sie durch eine traurige Betonnachbildung. Der letzte Glanz des Carrara-Marmors, aus dem der Bildhauer Erdmann Encke Königin Luise von Preußen 1880 – 70 Jahre nach ihrem frühen Tod – auf Betreiben Berliner Bürger hatte auferstehen lassen, war verblasst.

Nun kehrt sie in alter Pracht in den Großen Tiergarten zurück und leistet im direkten Blickkontakt wieder ihrem Gatten Friedrich Wilhelm III. Gesellschaft – eindeutig strahlender als er. Denn auch er, 1849 von Friedrich Drake in einem Standbild verewigt, fristete seit den 80er Jahren nur noch ein Dasein als Kopie. Noch steht ein Bauzaun um das Luisen-Denkmal. Doch Mitte Juli sollen nach einer gut einjährigen Schönheitsoperation mit Ultraschalldiagnose auch die letzten kosmetischen Behandlungen überstanden sein. Rund 400 000 Euro hat die Restaurierung gekostet. Ein Teil der Kosten ist durch Spenden zusammengekommen. Luise, literarisch von Kleist, Novalis und Jean Paul gerühmt, ist eben noch immer die Königin der Herzen.

Ihre zementener Zwilling wandert unterdessen an den Ort, den die marmorne Luise zuletzt frequentierte. Denn seit dem Verkauf des Lapidariums an die Werbeagentur Boros vor vier Jahren sind die bildhauerischen Schätze der Stadt aus dem Ziegelgemäuer des früheren Pumpwasserwerks am Landwehrkanal in die Zitadelle Spandau umgezogen. Dort sollen sie ab 2014 in der Ausstellung „Enthüllt – Berlin und seine Denkmäler“ zu sehen sein.

„Sei lange, Teure, noch des Landes Stolz/Durch frohe Jahre“, heißt es in Kleists Widmungsgedicht „An die Königin Luise von Preußen“ zu Ehren ihres 34. Geburtstags im Jahre 1810, „wie durch frohe Jahre / Du seine Lust und sein Entzücken warst!“ Gemessen daran, dass seitdem schon wieder 200 Jahre vergangen sind, spricht das für gute Aussichten auf Unsterblichkeit. dotz

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!