Zeitung Heute : Lust am Lernen

Asija Sirucic ist eine von 60 Deutschlandstipendiaten an der TU Berlin.

Sybille Nitsche
Asija Sirucic
Asija SirucicFoto: TU Berlin/Ruta

Die Noten sehr gut bis gut. Den Bachelor in der Regelstudienzeit von drei Jahren absolviert, die Abschlussarbeit geschrieben, und Pläne für die nächsten Jahre sind auch schon gemacht: Den Master abschließen, für ein Semester ins Ausland gehen, promovieren, arbeiten und „drei Kinder kriegen“, sagt Asija Sirucic lachend. Was nach Karrierismus klingt, ist für die 23-Jährige die pure Lust am Lernen. Die ersten drei Jahre Studium waren anstrengend, das verhehlt sie nicht. Aber sie mag es einfach, etwas zu leisten – und es hat sich gelohnt. Sie ist eine von 60 Deutschlandstipendiaten an der TU Berlin. Damit gehört sie zu den Besten an der Uni. Das monatliche Stipendium von 300 Euro wird ihr bereits zum zweiten Mal für herausragende Studienergebnisse vom Bundesforschungsministerium und einem Spender gezahlt.

Sirucic studiert medizinische Biotechnologie. Sie sagt, es sei die perfekte Kombination aus ihrer Leidenschaft für Mathe und Physik und ihrem Willen, anderen Menschen zu helfen. Sie möchte einmal an der Entwicklung von Therapien für bislang unheilbare Krankheiten mitarbeiten.

In ihrer Freizeit gibt sie Erst- und Zweitklässlern Nachhilfe, unterrichtet sie am Islamischen Kulturzentrum für Bosniaken in Religion, Moral und Ethik. Gesellschaftliches Engagement ist neben besonderen Studienleistungen eine Voraussetzung für die Vergabe eines Deutschlandstipendiums. Sirucic will den Kindern Werte vermitteln. Solche Worte sind für sie keine Floskeln, sondern existenziell. Denn sie kennt die Schrecken des Krieges. Sie war drei, als ihr Vater sie zusammen mit ihrer Mutter und ihrem Bruder in einen Bus nach Deutschland setzte, raus aus dem vom Bürgerkrieg heimgesuchten Bosnien-Herzegowina, raus aus Srebrenica. Der Vater blieb in der Stadt, weil er seine Eltern nicht zurücklassen wollte. Von 1992 bis 1995 schrieb er Briefe. Dann kam plötzlich keiner mehr. Was mit ihm geschehen ist, weiß Sirucic nicht. Er gilt als verschollen. Auch ihren Großvater und zwei Onkel hat sie verloren.

Asija Sirucic ist trotzdem eine fröhliche junge Frau geworden und, wie sich an ihrem Lebensmut zeigt, auch eine lebenskluge. Sybille Nitsche

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