Zeitung Heute : Lustig, locker, rot gefärbt

Erich Ahlers

Heiner Köpcke heißt der Mann, der im Namen der Hamburger Vermarktungsagentur Köster & Co. fotografiert. Franziska van Almsick, Isabell Werth, Magdalena Brzeska und andere Sportlerinnen hat er schon vor der Linse gehabt. Kürzlich wurde die Liste um Kati Wilhelm erweitert, obwohl sie noch keine vertragliche Bindung zu Chef Werner Köster hat. Das jedoch wird sich vermutlich bald ändern. Der ehemalige Journalist hat ein Auge auf die in Salt Lake City mit zweimal Gold und einmal Silber ausgezeichnete Biathletin geworfen. Gegelte Haare, geschminkte Lippen, ein kühler, aber nicht zu kühler Blick. So kommt die 25-Jährige auf Köpckes Fotos daher. Damit sollen erste Versuche unternommen werden, Sponsoren auf Wilhelm aufmerksam zu machen.

Mehr zum Thema Fotostrecke: Bilder aus Salt Lake City
Tagesspiegel: Alle Berichte von den Olympischen Winterspielen
Newsticker: Aktuelle Nachrichten von den XIX. Winterspielen sowie weitere Sportmeldungen Bislang hat es hier zu Lande noch keine Biathletin geschafft, neben den sportlichen Einnahmen nennenswert über Werbeverträge Geld zu verdienen. Auch Uschi Disl nicht, die seit mehr als einem Jahrzehnt das Synonym für diese Sportart in Deutschland ist. Wilhelm will das ändern. "Ich habe nichts dagegen, wenn nebenher noch ein bisschen herausspringt", sagt die Thüringerin und schließt das Erfüllen spezieller Anforderungen nicht aus. "Schöne Bilder, auf denen man wenig anhat, aber nichts sieht, sind gut vorstellbar."

Mit rotem Tuch, roten Haaren und bisweilen pfiffigen Antworten fällt Kati Wilhelm im deutschen Biathlon-Team sehr wohl auf. Vor allem neben Andrea Henkel, der anderen Einzel-Olympiasiegerin. Die wurde ob ihrer müde machenden Statements ("Ich möchte gut laufen und gut schießen") in Salt Lake City schon als "Henkel-Trocken" verspottet. Bei Wilhelm hingegen wird die locker-flockige Selbsteinschätzung ("Direkt, lustig, offen, gut gelaunt") auch von anderen geteilt. Bundestrainer Uwe Müssiggang traut ihr bei der Vermarktung eine gute Rolle zu. "Kati hat eine positive Ausstrahlung, mit der sie gut ankommt", urteilt er und hat nichts dagegen, wenn demnächst auch in seiner Sportart ein Hauch Glamour Einzug hält. Aber - und das muss er als Coach sagen - "der Sport darf nicht darunter leiden".

Biathlon ist wohl die Wintersportart, die am wenigsten Probleme damit hatte, sich auf externe Wünsche einzustellen. Neue Disziplinen, ein neues Kaliber, neue Startzeiten und einiges mehr wurden eingeführt. Mit Erfolg. Denn inzwischen erreichen die Biathleten Einschaltquoten, die früher unvorstellbar waren. "Bei den Frauen hieß es doch immer, jetzt kommen die Flintenweiber. Da sind die Zuschauer nach Hause gegangen", erinnert sich Müssiggang.

Beim Eingehen auf die Wünsche des Fernsehens würde es der Bundestrainer allerdings gerne sehen, wenn die inzwischen erreichte Verhandlungsposition konsequent genutzt würde: "Gerade bei den Startzeiten müssen wir aufpassen, dass wir nicht zu sehr fremdgesteuert werden." Das Miteinander mit dem Fernsehen zahlt sich für die Biathleten aus. Für den Sieg bei einem Weltcuprennen werden mittlerweile 12 000 Euro gezahlt.

Und doch ist die Sportart eine deutsche Veranstaltung. "Das Wohl und Wehe vom Biathlon hängt in erster Linie von den Deutschen ab", sagt Müssiggang. Deutsche Sponsoren und deutsche Fernsehsender bringen das Geld - aber nur so lange, wie deutsche Athleten erfolgreich sind. Heute kann die deutsche Mannschaft in der abschließenden Herrenstaffel noch einen draufsetzen. Bisher haben sie bei den Spielen alle Erwartungen übertroffen, sogar die eigenen Erwartungen. Natürlich auch die von Kati Wilhelm, die laut Bundestrainer "die Mentalität zum Schießen" hat. In Soldier Hollow (Soldatenmulde) hat sie oft und gut geschossen. Köster war einer der ersten Gratulanten.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!