Zeitung Heute : Luxemburg in Dosen

Bei der Preisverleihung soll „intelligente Bescheidenheit“ ein üppiges Buffet ersetzen

Bernd Matthies

Wer ein Buffet bestellt, hat grundsätzlich die Wahl zwischen zwei Möglichkeiten: üppig oder sparsam, Hummer oder Bouletten. Marie-Luise Weinberger, Motor und Vizechefin der Werkstatt Deutschland, mochte sich mit diesen Alternativen nicht zufrieden geben und sann mit ihren Leuten lange auf ein Konzept „intelligenter Bescheidenheit", kein Protz, aber dezent verpackte Qualität. Irgendwann, vermutlich beim Kaffeetrinken, machte es dann „Klick": Gab es nicht früher, bevor die Plastiknäpfchen alles verdrängten, diese Büchsen mit Kondensmilch? Ein Bote wurde ins KaDeWe entsandt, wo sich ein letztes Biotop der aussterbenden Spezies des Glücksklees erhalten hat. Man hebelte die Dose auf, nahm den Inhalt beiseite und war sicher, die Lösung gefunden zu haben: Essen aus Dosen, aber kein Dosenessen.

Den Gästen der Gala im Konzerthaus wird also Folgendes passieren: Wenn das Programm absolviert ist, werden sie sich zum Empfang im Foyer verteilen und kleine, quadratische Tabletts gereicht bekommen, auf denen vier Dosen im klassischen Kondensmilch-Format stehen. Sieht nach nichts aus, enthält aber ein veritables viergängiges Menü, das von den drei Küchenchefs am Pariser Platz eigens für diesen Empfang entwickelt und zubereitet wurde, und zwar unter dem kulinarischen Leitmotiv „Luxemburg" - eine kleine Reverenz an Jean-Claude Juncker, einen der Preisträger.

Rainer Sigg, Küchendirektor im Adlon, bereitet für diesen Anlass ein luxemburgisches Grießflammeri zu, Michael Hoffmann vom „Margaux" steuert ein Ragout Fin vom luxemburgischen Spanferkel mit Linsensalat sowie eine Wildkräuterkomposition „Essbare Landschaften“ mit Mousse von grünen Erbsen bei, und Deff Haupt vom „Theodor Tucher" bereitet einen Crevettensalat „Pariser Platz". Logistisch ist das nicht ohne: Für die rund 1200 Gäste müssen 5000 Dosen und 5000 Gabeln beschafft werden, und das Bestücken dieser Dosen dürfte ebenfalls eine Herausforderung darstellen für Köche, die gewohnt sind, vor allem Teller für ihre Menüs zu benutzen.

Um schließlich die Entfernung von Luxemburg weiter zu verringern, stehen rare Weine von den Weingütern Schloss Schengen und Clos des Rochers bereit, Riesling und Pinot Gris aus einer der unbekanntesten und kleinsten Weinlandschaften Europas.

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