Zeitung Heute : Luxus Ausbildung

Hotelmanager in Dubai haben eine Jobgarantie. Aber nicht jede Berufsschule im Ausland hält, was sie verspricht

Anne Hansen Alexander Visser

Ein Kite-Surfer fliegt über das traumblaue Wasser des Persischen Golfs. Schnitt. Ein junges Pärchen genießt einen Drink an der eleganten Hotelbar. Schnitt. Ein Jeep brettert durch gigantische Sandverwehungen. . . Zehn Minuten lang zeigt der Werbefilm Touristenträume. Die Bilder stammen aus Dubai, einem der Scheichtümer der Vereinigten Arabischen Emirate. Fast 100 junge Besucher sind ins Berliner Grand Hyatt Hotel gekommen, um sich über den wohlhabenden Wüstenstaat zu informieren. Aber sie wollen dort nicht Urlaub machen, sondern arbeiten: Die Präsentation wirbt für die internationale Hotelmanagement-Akademie der Jumeirah-Gruppe, die Führungskräftenachwuchs für ihr wachsendes Tourismusimperium sucht. „Der erste Abschlussjahrgang unserer Akademie hat gerade zu 100 Prozent eine Anstellung gefunden, die meisten davon in Dubai“, berichtet Akademiechef Ron Hilvert stolz.

Nach der Schule träumen viele von einem Auslandsaufenthalt, manche wollen ihn mit einer Berufsausbildung verbinden. Doch nicht jede exotische Akademie bringt die Karriere voran. Wer über eine Ausbildung im Ausland nachdenkt, muss vorher prüfen, ob der Abschluss in Deutschland auch anerkannt wird. Oder bereit sein, auch vor Ort zu arbeiten. Zum Beispiel in Dubai, die Beschäftigungsaussichten sind für qualifizierte Arbeitnehmer exzellent. Wer bei Jumeirah ausgebildet wird, kann vielleicht im berühmten Burj al Arab arbeiten, das zu der internationalen Hotelgruppe gehört.

„Wenn jemand im Ausland eine Ausbildung gemacht hat, weiß ein deutscher Arbeitgeber nicht, wie viel der Absolvent kann und ob er schon richtig einsetzbar ist“, sagt Daniela Bigalk, Teamleiterin des Europa-Service der Bundesagentur für Arbeit in Berlin. In England sei daher zum Beispiel ein „training on the job“ nach der Ausbildung üblich. In Deutschland setzt dagegen ein Arbeitgeber voraus, dass der Lehrling mit abgeschlossener Prüfung nicht noch eingearbeitet werden muss. „Man muss ein großes Verkaufstalent haben, um dem deutschen Arbeitgeber eine im Ausland gemachte Ausbildung schmackhaft zu machen“, sagt Bigalk. Ihr Rat: „Wer schon vor Beginn der Lehre weiß, dass er später sowieso in Deutschland weiter arbeiten will, sollte auch hier seine Ausbildung absolvieren.“

Es lohnt sich also vor Antritt einer Ausbildung auf besondere Qualitätsmerkmale zu achten. So kooperiert die Jumeirah-Akademie mit der angesehenen Hotelfachschule in Lausanne. Teile der Ausbildung finden in der Schweiz statt. „Das unterstreicht den hohen Anspruch der Schule in Dubai“, sagt Frank Küchler, Personalberater für die Hotelbranche. Dennoch empfiehlt Küchler jungen Menschen, die auf eine Hotelkarriere setzen, in Deutschland zu starten: „erst eine Ausbildung in einem anständigen Hotel, danach eine staatliche Hotelfachschule, die ist im Gegensatz zu ausländischen Einrichtungen fast kostenlos“, so Küchler.

Ausländische Ausbildungswege sind fast immer kostenpflichtig und in der Regel nicht billig. So kostet das vierjährige Hotelmanagement-Programm der Jumeirah-Akademie, das mit einem Bachelor abschließt, 40 000 Euro Studiengebühren. In der Schweiz werden zum Teil noch höhere Gebühren verlangt.

Franz Piesche-Blumtritt vom Arbeitsmarkt Informations-Service der Bundesagentur für Arbeit empfiehlt angehenden Azubis, die ins Ausland wollen, eine Mischform zwischen der soliden deutschen Ausbildung und der aufregenden Arbeit in einer anderen Kultur. Zum Beispiel die Ausbildungswege, die die deutschen Außenhandelskammern vermitteln, oft bei deutschen Betrieben, die im Ausland Zweigstellen haben. Da die Außenhandelskammern die Prüfungen abnehmen, wird der Abschluss auch zu Hause anerkannt.

Die 22-jährige Berlinerin Fanny Hinz macht gerade eine solche Ausbildung zur Hotelfachfrau in Portugal. Sie arbeitet in einem Hotel auf Madeira und lernt an der Fachschule der deutsch-portugiesischen Handelskammer. „Ich glaube, dass ich hier mehr mitnehme als bei einer Ausbildung in Deutschland, da man nicht nur den Beruf lernt, sondern auch, wie man sich in einer anderen Sprache und Kultur zurecht findet“, sagt sie am Telefon. „Das erleichtert den Einstieg in eine internationale Karriere.“ Die Kosten der Ausbildung sind mit rund 6650 Euro für zweieinhalb Jahre überschaubar. Dafür sind die Touristenhotels in Portugal aber auch nicht so luxuriös ausgestattet wie am Persischen Golf.

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