Zeitung Heute : Luzie

Der Tagesspiegel

Die Heldin ist ein kleines Mädchen: Luzie, fast sechs Jahre alt. Sie wartet auf ihren ersten Schultag und rennt in Vorfreude schon den ganzen Tag mit ihrem gelben leeren Scout-Ranzen durch die Straße. Luzie fühlt sich alleine, denn ihre Freundinnen sind im Urlaub. Da wir im Jahr 1980 sind, und es zu dieser Zeit zur Ablenkung noch kein Privatfernsehen gab, versucht sie in der Oswald-Bande aufgenommen zu werden. Die älteren Kinder fordern eine Mutprobe: Sie soll etwas klauen. Luzie sucht sich Knetmasse aus, aber der Kaufhaus-Detektiv erwischt sie dabei. Das Diebesgut ist plötzlich verschwunden – so kommen die beiden weiteren Helden des Films in Spiel: Friedrich & Friedrich, Knetmännchen, der eine orange, der andere grün, die sich in alles verwandeln können. Damit Luzie dem Kaufhausdetektiv entrinnt, haben sich die beiden flugs in den Bommel von Luzies Wollmütze verwandelt.

Das ist nur eines von vielen Kunststücken, die in der sechsteiligen Serie „Luzie, der Schrecken der Straße“ zu sehen sind. Die Verwandlungskünste von Friedrich & Friedrich muten aus heutiger Sicht vielleicht etwas altmodisch an. Sie stammen aus dem Jahr 1979, damals wurde die Serie komplett produziert, gemeinsam von Deutschen und Tschechen, gewissermaßen über den eisernen Vorhang hinweg. Aber die simple Tricktechnik ist viel faszinierender als die neusten 3D-Computer-Animationen aus Hollywood. Wahrscheinlich werden die Luzie-Folgen deshalb auch so oft wiederholt; zum Beispiel am Sonntag um 6 Uhr 25 auf dem Kinderkanal. Mal verwandeln sich Friedrich & Friedrich in einen Apfel und eine Orange, mal in Batman und Fantomas oder in die neue Pfeife von Luzies Vater.

Kein Wunder, dass Luzie zusammen mitden vielseitigen Friedrich & Friedrich, mit denen sie sich nach dem Diebstahl-Coup angefreundet hat, dem Titel der Sendung alle Ehre macht und zum Schrecken der Straße wird. Alva Gehrmann

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