Zeitung Heute : Mac-Welt: Das Leid der Apple-User

Axel Busse

Süffisant lächelt Harald Schmidt in die Kamera. Er lässt sich vor einem iMac-Computer filmen und preist als Werber für T-Online die Vorteile des Homebanking. Doch wer mit T-Online homebanken will und das vom iMac aus, der wird eine Überraschung erleben. Die notwendige Software muß er sich anderwo kaufen, von T-Online bekommt er sie nicht. Nicht einmal mit der neuesten Zugangssoftware "3.0".

"Wie zu Hause fühlen" soll sich der Kunde beim Homebanking mit T-Online und die Werbung wird nicht müde, den Börsenneuling als Kunden orientiertes Service-Unternehmen zu preisen. Doch auch die neue Version der Internet-Software, die in diesen Tagen auf den Markt kommt, wird diesem Anspruch nur bedingt gerecht. Vielmehr wird die Zwei-Klassen-Gesellschaft der Anwender von Heimcomputern weiter zementiert, insbesondere, was das Homebanking betrifft. Eine kleine, aber beständig wachsende Zahl von Computernutzern wird hier ausgegrenzt. Schuld daran ist der gigantische Verkaufserfolg einer kleinen knuffig-bunten Maschine, die zumindest dem Namen nach mit Furby und Pokémon verwandt zu sein scheint: iMac.

Der schon totgesagte Computer-Hersteller Apple hat mit dem internetfähigen Heimgerät, das im Gegensatz zu herkömmlichen Desktop-Geräten nur noch aus zwei Komponenten besteht, Design wieder als Kaufkriterium im Computermarkt etabliert und eine Punktlandung in den Bedürfnissen der Kunden hingelegt. Gemeinsam mit der tragbaren Variante iBook schnellten die Absatzzahlen weltweit nach oben. Die Folge: Der alte "Glaubenskrieg" der Betriebssysteme zwischen den IBM-kompatiblen PCs und der "Mac-Welt" ist in abgeschwächter Form wieder ausgebrochen. Software-Anbieter müssen verstärkt Programme für die Macintosh-Computer entwickeln, wollen sie nicht eine wachsende Gemeinde von Usern unbedient lassen.

Für T-Online gilt das anscheinend nicht. Wer sich bislang über die Provider-Firma der Deutschen Telekom seinen Zugang zum Netz besorgte, konnte das komplette Service-Angebot nur ins Anspruch nehmen, wenn sein PC unter dem Windows-Betriebssystem lief. Der Mac-User, der seine Kontoführung online bewerkstelligen will, erhält via Bildschirm folgende Mitteilung: "Leider steht zur Zeit kein Homebanking-Modul für Macintosh-Systeme zur Verfügung". Wer auf das Online-Banking dennoch nicht verzichten will, muss sich zusätzliche Software besorgen. Die ist zwar schon für um die 100 Mark zu haben, doch könnte man das Geld besser für Online-Stunden ausgeben. PC-Anwender hingegen bekommen das Homebanking kostenlos mit dem Internet-Zugang von T-Online mitgeliefert - eine Zwei-Klassen-Gesellschaft.

Die Zahl der Frustrierten wird steigen, denn der iMac verkauft sich weiter sehr gut. Mit eigenen Zahlen mag Apple-Sprecher Frank Limbacher nicht recht heraus rücken, jedoch ermittelten Marktforscher für das letzte Quartal 1999 ein Verkaufsplus von 78,8 Prozent für iMac und iBook. Während der gesamte PC-Markt lediglich um 12,8 Prozent zulegte, konnte Macintosh allein in den letzten drei Monaten des vergangenen Jahres viermal mehr Computer ausliefern als in den vorangegangenen vier Jahren zusammen. Nach Angaben des Marktforschungsinstituts Dataquest hat Apple damit seinen Marktanteil im sogenannten Consumer-Bereich von mickrigen 1,3 Prozent auf 4,3 Prozent steigern können. Eine Studie der International Data Cooperation hat ermittelt, dass Apple seinen Umsatz im Segment "mobile computing", also mit dem iBook, sogar um 300 Prozent steigern konnte.

Für Telekom-Sprecher Stephan Broszio stellen Mac-Benutzer offenbar eine zu vernachlässigende Größe dar: "Auf den Gesamtmarkt und die Zahl der T-Online-Kunden gesehen ist das nur ein kleiner Prozentsatz." Ein eigenes Modul für sie anzubieten bedeute einen "erheblichen Aufwand". Da sich immer mehr Kunden benötigte Software aus dem Internet besorgen, sieht Broszio diese Anstrengung als "nicht prioritär" an. Wenn der Apple-Trend anhalte und der Marktanteil "wenigstens im oberen einstelligen Bereich" angekommen sei, dauere es noch etwa ein halbes Jahr, entsprechende T-Online-Software auf den Markt zu bringen.

Vielleicht ist es ja nicht der mangelde Marktanteil, sondern mangelnder Konkurrenzdruck, der den rosa Riesen davon abhält, Homebanking-Software für den Mac anzubieten. Das AOL-Standardpaket fürs Internet verwehrt den Mac-Freunden ebenfalls die Überweisung per Mausklick.

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