Zeitung Heute : Macht Schwarz krank?

Claudia Aldenhoven

Schwarz ist in. Unter Existenzialisten und Gruftis, unter Bohemiens auch und in Paris sowieso: Die Modefarbe in diesem Herbst auf den Laufstegen der französischen Hauptstadt ist Schwarz. Da passt es nicht so gut, dass die Zeitschrift "Ökotest" unlängst - und zum x-ten Male vor Schwarz warnte, vor allem wenn es auf der Haut getragen wird. Denn, so lautete auch diesmal die Begründung: Schwarzes sei immer noch häufig mit Schadstoffen belastet.

Anlass: Der aktuelle BH-Test. Ein schwarzer, aufblasbarer USA-Import, ein so genannter Airbra, erwies sich als Ausreißer, verglichen mit den übrigen untersuchten hellen. Neben einem Allergie auslösenden Farbstoff enthielt der Airbra auch noch das Schwermetall Antimon.

Also Finger weg vom Kleinen Schwarzen? Kommt drauf an. Pauschal sicher nicht, sagt Rainer Weckmann vom Forschungsinstitut Hohenheim. Das unabhängige Institut untersucht Textilien im Auftrag der Bekleidungsindustrie und des Handels auf Schadstoffe und Farbechtheit. Und für die von den Testern nach dem Ökotex-Standard 100 zertifizierte Kleidung gelte: ob bunt, schwarz oder weiß, spielt keine Rolle.

Aber auch das Zertifikat ist nicht unumstritten, denn "wer suchet, der findet". Bei 20 000 Chemikalien, die weltweit in der Textilindustrie eingesetzt werden können, ist die Schadstoffsuche ein Fischen im Trüben. Oft genug erwiesen sich Ersatzstoffe für solche Substanzen, die als schädlich erkannt wurden, nach Jahren als nicht minder brisant. Hier setzt die Kritik von Verbraucherschützern wie dem Bonner Umweltinstitut ein. Statt zu deklarieren, was sich nicht in einem Textil befindet, sollte vernünftigerweise angegeben werden, was tatsächlich enthalten ist.

Dennoch geht nach Meinung des Textilprüfers Weckmann die größere Gefahr heute von importierter und ungeprüfter Ware aus. Deutschland führt etwa 70 bis 80 Prozent seiner Textilien ein. Zwar darf nach dem Lebensmittel- und Bedarfsgegenstände-Gesetz kein gesundheitschädliches Kleidungsstück über die Theke gehen, jedoch fehlen in den zuständigen Bundesländern ausreichende Kontrollen.

Und auch die Farbe Schwarz bleibt umstritten. Der Geschäftsführer Ralf Ketelhut von EPEA, dem Internationalen Umweltforschungsunternehmen in Hamburg, kann sie nicht empfehlen. Um tiefes Schwarz zu erzielen, müsse man sehr viele Farbstoffe einsetzen, "dazu gibt es immer noch keine vernünftigen Alternativen", und dies sei zumindest umweltbelastend. Seine Firma unterstützt Unternehmen beim umwelt- und humanverträglichen Wirtschaften. Bei Schwarz kann Ketelhut also nur raten, auf Dunkelblau oder sehr dunkles Grau auszuweichen.

Für die Farbindustrie ist Schwarz dagegen ein Farbton wie jeder andere. Er bereite nicht mehr, aber auch nicht weniger Probleme, antwortet der Chemiker Pierre Galafassi von Ciba-Geigy auf Anfrage: "Die Regel ist, dass es keine Regel gibt. Die richtige Komponente für das entsprechende Gewebe zu finden, das ist das Metier". Schadstoffe in der Kleidung seien schlicht auf Produktionsfehler zurückzuführen. Das sei bei der Strumpfhosenallergie, ausgelöst durch schlecht gebundene Dispersionsfarben, auch nicht anders gewesen.

Die Art der Färbung hänge von der Faser ab. Bei Baumwolle sei sie aufwendiger als beim viel geschmähten Polyester: Mit vier bis fünf Gewichtsprozent frisst die durchgefärbte Baumwolle viel Farbstoff. Hier bestünde die Gefahr, dass Färbereien, um Geld zu sparen, billige Chromophore einsetzen. Allein anhand des Farbtons lasse sich aber nicht ablesen, ob er für Mensch und Umwelt verträglich sei.

Was kann aber der Verbraucher tun, wenn er immer noch im Zweifel ist über die Verträglichkeit seiner Kleidung? Im Grunde nur zweierlei. Er kann auf Zertifikate achten, und er kann waschen, waschen, waschen. Nach zwei bis drei Wäschen ist die Schadstoffbelastung, so es sie denn überhaupt gab, nur noch halb so hoch. Nur noch halb so schön ist dann meist allerdings auch die neue Kleidung. Die schöne Form ist oft verloren. Und die satte Farbe leider auch. Schade.

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