Zeitung Heute : Mack McKelton

Die Straße ist seine Spielwiese. Der Asphalt sein Element. Vor kurzem hat der Berliner Skateboardprofi Mack McKelton Deutschlands mächtigstes Treppengeländer bezwungen: das legendäre „33 Stufen Handrail“ in Bremen - auf seinem Rollbrett, ohne abzurutschen. Nicht umsonst trägt Mack den Beinamen „Mr. Unbreakable“.

Skateboarding ist sein Leben. Sein Beruf, seine Leidenschaft. Mack McKelton lebt seinen Traum. Der 22jährige zählt zu den waghalsigsten Skateboardern Deutschlands. Egal ob Street, Bowl, Miniramp oder Halfpipe - Mack ist ein Allroundtalent, der alle Skateboard-Disziplinen beherrscht. Sponsorentermine, Wettbewerbe, Filmaufnahmen und Fotoshootings treiben ihn rund um den Globus. Touren durch Europa, China, Südafrika, Australien und die USA. Ein Showman ohne Starallüren. Im Gegenteil: Seine gute Laune, Natürlichkeit und Begeisterung hat er sich trotz seiner Popularität bewahrt. Sein Markenzeichen: ein breites Dauergrinsen. Berlin bedeutet für Mack Freiheit - Freiheit, die er während seiner Kindheit in Afrika nie wirklich spürte. „Berlin ist liberal, dreckig, billig und multikulturell - ein ähnliches Flair wie in New York.“ Das Funkeln in seinen Augen spricht Bände. Gut möglich, dass er den Stationen in Botswana, Kamerun und Südafrika sein sonniges Gemüt, seine Weltoffenheit verdankt.

Der Ausnahmeskateboarder entführt uns heute an einige seiner Lieblingsplätze - da dürfen Skateboardspots natürlich nicht fehlen. Verabredet sind wir mit Mack am Innsbrucker Platz. Ein Ort, an dem er viele Stunden seiner Jugend verbrachte. Die Frohnatur begrüßt uns am Brunnen. Ein smartes Lächeln. Eine Taube leistet ihm Gesellschaft. Nippt am frischen Brunnenwasser, bevor sie davon flattert. Der Innsbrucker Platz Spot (1) bietet drei Stufen zum Spiel auf dem rollenden Brett. Ein netter Treffpunkt - besonders für die Kids aus der Gegend. Zum Austoben und Ausprobieren. Die Stufen sind klein. Ideal zum Üben. Früher hat Mack das an den Dreierstufen geübt, was er heute an den Neuner- und Zehnerstufen zaubert. Für die verdiente Snackpause gibt’s drumherum Supermärkte, eine Eisdiele, Bäckereien und eine Pizzeria. Über den Verkehrknotenpunkt Innsbrucker Platz erreichen wir eine idyllische grüne Oase. In der kleinen Parkanlage lauert der nächste Skatespot: „ein cooles Double-Stufen-Set“ (2). Zweier- und Dreierstufen. Mack zeigt uns einen Noseslide, am Double Set verschiedene Fliptricks, zwirbelt einen Ollie über die Stufen. Verspielte Leichtigkeit in Perfektion. Die Skateboardtour führt uns weiter Richtung Kurfürstendamm. Am Ammonitenbrunnen vor dem Zoo-Aquarium befindet sich der Brunnen-Spot (3). Abgerundete Curbs (Kanten), Ledges (Mauern) und Stufen. Marmorboden - perfekt zum Grinden (Entlangrutschen). Mack fährt einige Lines, Runden kombiniert mit Tricks. Auf den Bänken rund um den Brunnen pausieren Touristen, ein kleiner Junge mit seiner Großmutter und Leute, die in der Gegend arbeiten. Mack versüßt die Mittagspause mit exklusiver Skateboardakrobatik. Mindestens zwei neue Fans hat der Ausnahmeathlet hinzugewonnen - den kleinen Blondschopf Jakob samt begeisterter Oma. Um die Ecke liegt der Gedächtniskirchenspot (4). Mitten auf dem Breitscheidplatz. Die gesamte Fläche eignet sich hervorragend zum Rollbrettfahren. Marmorbelag, fein geschliffener Granit, Curbs zum Grinden - ein Paradies für Freestyle Skater. Diese Sorte Brettartisten treffen wir am „Wasserklops“, die Berliner Wortkreation für den Breitscheidplatz-Brunnen des Bildhauers Joachim Schmettau. Die Breakdancer und Freestyle Skateboarder vom Breitscheidplatz agieren unter dem Namen „Straßenfieber“. Mack begrüßt die Jungs. Sie kennen und schätzen den Skateboardprofi. Die Berliner Skateszene harmoniert. Respekt, Achtung und Lob. Ge-

skatet wird miteinander, nicht gegeneinander wie in anderen Großstädten.

Entdeckt und gefördert wurde Mack Anfangs von den Besitzern des Titus Skateshops Zoopreme. Ein Skate- & Streetwearladen mit grandiosem Volcom-Corner. Vor Jahren bereits unterstützten Momo und Dirk den engagierten Skateboarder mit der nötigen Ausrüstung. Momo beschreibt Mack als absolut pflegeleicht - „ein loyaler, zuverlässiger, professioneller Skateboarder“. Den Zoopreme Skateboardstore (5) zählt Mack noch heute zu seinen Sponsoren. Mehrmals die Woche schaut er im Laden vorbei, besorgt sich die neuesten Skateboardmagazine oder besucht seine Kollegen zum Ausklang einer gelungenen Skatesession. Die Krönung: Eine Waffel gefüllt mit feinster Eiscreme von der Häagen-Dazs Eisdiele (6) schräg gegenüber. Verführen lässt sich der Vollblut-Skateboarder von Vanilla Caramel Brownie und Dulce de Leche mit Karamel. Er liebt die Kombination, die vielen Überraschungen, die unter dem Eis versteckt sind. Früchte, Kekse, Karamellstückchen und Nüsse. Eissorten mit wenig Eisanteil. Eine außergewöhnliche Reise der Sinne. Nach dieser verboten-süßen Geschmackseroberung brauchen wir Bewegung. Ab ins Stadtbad Schöneberg (7). Auf zwei Etagen verfügt das Erlebnisbad über ein Sportbecken mit Einmeter- und Dreimetersprungbrett, zwei Whirlpools und ein Solebecken mit Massagedüsen. In der unteren Etage ist ein Kinderbadeparadies: allerlei Becken, auch zum Herausschwimmen mit kleiner Gegenstromanlage samt Wasserrutsche. Liegestühle, Sitzgelegenheiten, Schwimmbadrestaurant, Imbiss und Solariumsbereich. Verschwommene Einblicke in die Unterwasserwelt eröffnet das Guckfenster. Ein ausgefallenes Detail. Mack ist begeistert. Im Winter zieht der Skateboardprofi hier zweimal die Woche seine Bahnen. Unsere sportliche Tour lassen wir bei Alberto ausklingen. In der Pizzeria Stazione (8). Seit drei Jahren führt Alberto die charmante kleine Pizzeria. Mack zählt er zu seinen besten Kunden. Die beiden kennen sich seit Jahren, sind inzwischen gute Nachbarn. Plaudern, tauschen Neuigkeiten oder Waren aus - „Red Bull gegen Bier“, schmunzelt Mack. Der Rollbrettheld steht auf Pizza Hawaii mit Schinken und Ananas, bei Alberto bekommt er diese knackig-frisch auch an Sonntagen bis 23 Uhr.

Mack muss los. Zu den Skateboard Europameisterschaften nach Basel. Da ist es wieder, dieses Funkeln in seinen Augen. Diese Begeisterung. Diese positive Ausstrahlung. Stets fröhlich, offenherzig, mutig und dankbar für das ihm gegebene Talent. Was kann diesen Menschen erschüttern? Nichts, denn er ist Mister Unbreakable. Sophie Guggenberger

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