Zeitung Heute : Mängel in der Praxis

Cordula Eubel

Die Ärztevereinigungen ziehen eine kritische Bilanz der Gesundheitsreform. Was muss passieren, damit sie ein Erfolg wird?

Das Gesundheitswesen bewegt sich nur sehr langsam. Während die Praxisgebühr bereits seit Anfang Januar für die Patienten spürbar war, setzen sich andere Elemente der Gesundheitsreform erst allmählich durch. Das sind in der Regel die Strukturveränderungen, welche die Qualität der medizinischen Versorgung verbessern sollen. Um diese in die Praxis umzusetzen, sind die Beteiligten im Gesundheitswesen gefragt, von der Krankenkasse bis zum Arzt. Nicht jede der geplanten Änderungen stößt auf große Begeisterung bei den Akteuren.

Zu den Strukturreformen gehört etwa die so genannte integrierte Versorgung. Stationäre Behandlung im Krankenhaus und ambulante Versorgung beim niedergelassenen Arzt sollen besser vernetzt werden, indem Ärzte stärker Hand in Hand arbeiten. Ziel ist es, die Therapieschritte besser abzustimmen. Die Krankenkassen haben mit der Gesundheitsreform die Möglichkeit erhalten, für die integrierte Versorgung spezielle Verträge mit einzelnen Ärzten oder Kliniken abzuschließen. Rund 680 Millionen Euro stehen ihnen im Jahr 2004 als finanzieller Anreiz dafür zur Verfügung. Doch bisher nutzen nur einzelne Kassen diese Möglichkeit. So hat die Techniker Krankenkasse mit der LBK Hamburg, einer Gesellschaft, die unter anderem mehrere Krankenhäuser betreibt, einen Vertrag zur Behandlung bei Hüftoperationen geschlossen. Dadurch, dass Vorbereitung, Operation und Rehabilitation besser verzahnt werden, erhofft man sich, dass künstliche Hüftgelenke länger halten.

Medizinische Versorgungszentren gehören zu den weiteren Strukturelementen. Nach dem Vorbild der DDR-Polikliniken soll in den Zentren fachübergreifend zusammengearbeitet werden. Medizinische Geräte werden gemeinsam genutzt, die Ärzte arbeiten als Angestellte. In den neuen Bundesländern gibt es insgesamt 92 ehemalige Polikliniken, in den alten Bundesländern haben sich mittlerweile einige neue Zentren gegründet, unter anderem in Kiel.

Einige Ärzte tun sich mit den neuen Versorgungsformen eher schwer. So fürchtet der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Manfred Richter-Reichhelm, dass mittelfristig die ambulante fachärztliche Versorgung zu Gunsten von Fachärzten an Kliniken und medizinischen Zentren „zerschlagen“ werden solle. Auch Ärztepräsident Jörg-Dietrich Hoppe beklagt einen Wandel im Gesundheitswesen von der Patientenorientierung zum Profitdenken. Seit Jahresbeginn würden Kliniken in rasanter Weise von umsatzorientierten Betreibern übernommen, kritisiert Hoppe. „Es gibt keine Qualitätsverbesserungen, nur Verschlechterungen“, lautet die Bilanz des Ärztepräsidenten knapp ein Jahr nach Inkrafttreten der Gesundheitsreform.

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