Zeitung Heute : „Männer ignorieren das“

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Maria Furtwängler ist Schauspielerin („Tatort“) und praktische Ärztin. Die 37Jährige engagiert sich in der Felix-Burda-Stiftung, benannt nach dem mit 33 Jahren an Darmkrebs verstorbenen Sohn ihres Mannes Hubert Burda, für die frühzeitige Krebsvorsorge durch Darmspiegelungen.

Frau Furtwängler, Sie gehören nicht der Altergruppe an, der zurzeit von den Kassen die Darmspiegelung gezahlt wird. Warum wirbt die Burda-Stiftung nicht mit älteren Menschen für die Darmkrebsvorsorge?

Es ist nicht gerade leicht, das Thema Darm und Darmkrebs zu kommunizieren. Das ist irgendwie bah, hintenrum, Popo, Kacka und Co. Ich könnte mir vorstellen, dass jüngere, lebendigere Gesichter, die sagen: „Ich stehe zu meiner Gesundheit und ich bin es mir wert“, die Menschen eher ansprechen als über 60-Jährige, die ohne Frage die größere Zielgruppe bilden. Aber wichtiger noch ist es der Stiftung zu vermitteln, dass Darmkrebs auch Jüngere ereilen kann, wenn sie familiär vorbelastet sind. Deshalb auch die zweite wichtige Botschaft: Erkundige dich, frag deinen Vater, deine Mutter oder Großmutter, woran der Onkel gestorben ist und so weiter. Wenn ich in Punkto Darmkrebs familiär vorbelastet bin, dann ist es absolut sinnvoll, den Darm schon im Alter zwischen 25 und 30 Jahren spiegeln zu lassen.

Nun gibt es auch Fachleute, die davon abraten, die Darmspiegelung als Vorsorge-Instrument auf breite Bevölkerungsschichten auszudehnen, weil es zu Fehldiagnosen und Komplikationen kommen könne.

Beides ist extrem selten. Man muss sich wirklich mal genau und seriös anschauen, wie hoch das Risiko ist, durch Darmspiegelungen Schäden davonzutragen. Die Komplikationsrate liegt zwischen 0,5 und 0,7 Prozent. Letztlich haben wir die gleiche Diskussion bei der Mammographie als Vorsorge-Maßnahme gegen Brustkrebs, die häufigste Krebserkrankung der Frau. Auch da gibt es Überlegungen, ob nicht zu viele Röntgenaufnahmen der Brust selber Krebs auslösen könnten. Wenn man einen guten und für Darmspiegelungen ausgebildeten Arzt aufsucht, geht das Verletzungsrisiko klar gegen Null.

Das meiste, was mit dem Darm zusammenhängt, ist ein Tabu-Thema. Scheitert daran die Gesundheitsaufklärung?

Das größte Problem ist es ja, die Männer dafür zu kriegen. Frauen gehen bekanntlich sehr viel häufiger und bereitwilliger zum Arzt und gehen auch mit sich liebevoller um. Männer neigen dazu, alles, was mit ihrer Gesundheit zusammenhängt, zu ignorieren, und sehen ihren Körper im Grunde als Maschine. Und die hat zu funktionieren. Deshalb sind sie ja auch unendlich gekränkt, wenn es plötzlich nicht mehr so klappt. Diese Einstellung langfristig zu verändern, ist sicherlich sehr schwierig. Deshalb versucht man auch viel, über die Frauen die Männer zu motivieren, dass also quasi die Frauen ihre Männer zum Arzt schicken.

Betreiben Sie und Ihr Mann Vorsorge?

Wir achten schon auf eine ausgewogene Ernährung, eher Richtung fleischarm, mehr Fisch und andere Eiweißbringer. Und natürlich habe ich bei mir eine Darmspiegelung machen lassen, sonst könnte ich ja nicht auf Plakaten dafür werben. Genau so werden sich auch unsere Kinder frühzeitig den Darm spiegeln lassen.

Wie frühzeitig? Ihre Kinder sind jetzt 11 und 13 Jahre alt.

Sicher ganz früh, wegen der Familiengeschichte.

Die Fragen stellte Walter Schmidt

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