MAERZMUSIK„Orte, Plätze, Wüsten, Wanderungen“ : Vokalakrobatik

Carsten Niemann

Festivalmottos sind geduldig – aber Maerzmusik wäre kein gutes Festival für aktuelle Musik, wenn es sich nicht die Freiheit nehmen würde, die Geduld ein wenig zu strapazieren. Was immer sich sonst noch gegen die großartige Weitläufigkeit des Schwerpunktthemas „Orte, Plätze, Wüsten, Wanderungen“ einwenden ließe – Liza Lim würde darüber wohl nur lachen. Spross einer chinesischen Familie, geboren in Brunei, aufgewachsen in Australien und während ihrer Ausbildung von der südlichen Erdhalbkugel zu den europäischen Antipoden pendelnd, verkörpert die 40-jährige Komponistin das Abenteuer, sich in der globalisierten Welt und ihren vielfältigen Musikszenen zu verorten: Ihr ist ein Porträtkonzert am 9. März im Jüdischen Museum gewidmet.

Interessanterweise dominieren Musikerinnen das Festival: So wird die österreichische Komponistin Olga Neuwirth zur Eröffnung Leben und Werk des New-Wave-Musikers Klaus Nomi musiktheatralisch covern. Tags darauf bringt die italienische Komponistin Lucia Ronchetti ein Monodram nach Marcel Proust für Stimme und flüsterndes Publikum im Roten Salon der Volksbühne zur Uraufführung. Dass zugängliche Genres wie Musiktheater, Installationen und Vokalakrobatik das Programm auch in diesem Jahr als heimlichen Schwerpunkt durchziehen, lässt die Prognose zu: So abseitig und vielfältig die Orte auch sein werden, zu denen die Maerzmusik ihr Publikum lockt – unzugänglich sind sie zum Glück nicht. Carsten Niemann

Haus der Berliner Festspiele: Hommage à Klaus Nomi, Do 6.3., 20 Uhr (öffentl. Generalprobe), Fr 7.3., 20 Uhr, Sa 18 Uhr; Volksbühne: Albertine für Stimme Solo und flüsterndes Publikum, Sa 8.3., 16 Uhr (Urauff.), So 9.3., 22 Uhr, ab 10 €

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar