Zeitung Heute : Magisches Schneedreieck in Kanada: Eindeutig auf der Überholspur

Auskunft: BC Ski-Country[c o Pressebüro Stre]

Davon können alpenländische Wintersportmanager nur träumen: Viele Millionen Dollar fließen in neue Hotels und neue Lifts, ganze Berge werden für Skifahrer und Snowboarder erschlossen, Service und Personal sind meist erstklassig, die Skigebiete riesig, der Schnee ist staubtrocken und nie Mangelware. In British Columbia, im Westen Kanadas, schicken sich die drei Skiorte Big White, Silver Star und Sun Peaks an, in die Weltelite der Skistationen vorzustoßen. Längst kein Geheimtipp mehr und auch immer mehr deutschen Skifahrern ein Begriff, eröffnet dieses Schneedreieck den Weg in neue Skidimensionen.

In Kanada ist bereits der Name Programm: Big White ist eben groß und weiß und sucht seinesgleichen. Das Skigebiet hat alles - außer Beschneiungsanlagen. Denn die rund 100 Pisten werden alljährlich mit einer durchschnittlichen Schneehöhe von 7,50 Metern bedacht. "Champagne Powder", der staubtrockene Pulverschnee, gehört zum Alltag. In die Provinzstadt Kelowna, wo in den heißen Sommern Wein wächst, sind es gerade mal 55 Kilometer. In einer Flugstunde gelangt man von dort zu den internationalen Airports von Vancouver und Calgary und dann in knapp neun Stunden nach Frankfurt am Main.

Klaus Gretzmacher absolviert die Flugstrecke häufig, doch er bleibt Big White treu. Der gebürtige Gummersbacher und inzwischen begeisterte Kanadier kennt als ehemaliger Rennläufer auch Europas Pisten genau. "Wir sind eindeutig auf der Überholspur", sagt er ganz selbstbewusst. Als Marketingdirektor von Big White weiß er, wovon er spricht: Rund 45 Millionen kanadische Dollar (rund 67 Millionen Mark) investiert das Gebiet zur Zeit in sein Projekt 2000. Eine neue Achter-Gondelbahn verbindet Big White nun mit dem ebenfalls neuen Happy Valley Erlebnispark, wo unter anderem Nordamerikas größte Schlauchbob-Anlage zu finden ist. Entstanden sind auch neue Hotels, neue Chalets und neue Gebäude im gemütlichen Dorfzentrum.

Big White, Sun Peaks und Silver Star, freundschaftlich verbunden unter dem Oberbegriff BC Ski-Country, haben eine ähnliche Geschichte. Die ist ebenso kurz wie erfolgreich. Denn alle drei Skistationen, die das magische Schneedreieck in British Columbia bilden, sind erst in den vergangenen Jahren in rasantem Tempo entstanden - jede mit einem bestimmten Konzept und stets peinlich darauf bedacht, die Fehler europäischer Retortenskiorte zu vermeiden. "Ski in - Ski out" lautet eine gemeinsame Formel. Stets sind es vom Hotel zur Piste nur wenige Meter, Autos halten in Tiefgaragen Winterschlaf. Auch am Abend ist man mit wenigen Schritten in der Bar oder im Restaurant. Lange Distanzen gibt es nur auf den Pisten. Hinter dem spielerischen Charme dieser Orte stehen meist ausgetüftelte Masterpläne und Konzepte aus einem Guss.

Als sich beispielsweise zu Beginn der 90er Jahre Paul Mathews, weltweit der bekannteste Designer von Skigebieten, ans Werk machte, die Pläne für Sun Peaks zu erstellen, berechneten seine Mitarbeiter mittels Computersimulation die ideale Höhe der Gebäude im Ortszentrum. Ihr Ziel: Auf der Caféterrasse sollte auch am späten Nachmittag noch die Sonne scheinen. Und sie tut es. Heute zählt Sun Peaks, ebenso wie Silver Star und Big White, zu den neuen Trendzielen Nordamerikas. Rings um das 1255 Meter hoch gelegene Plateau erstrecken sich knapp 90 Pisten aller Schwierigkeitsgrade. Auch Sun Peaks gibt Gas. Rund 70 Millionen kanadische Dollar (etwa 100 Millionen Mark) werden augenblicklich investiert - unter anderem in ein neues First-Class-Hotel mit 230 Zimmern, das Weihnachten 2001 eröffnen soll. "Allein dieses Projekt gibt uns ganz wichtige Impulse", berichtet Christopher Nicolson, der Pressechef. "Wir befinden uns zur Zeit in der größten Expansionsphase unserer Geschichte." Dazu zählt auch Mount Morrisey. Er wird als dritter Skiberg des Gebietes nun neu erschlossen und vergrößert das Pistenangebot nochmals.

Skifahren in Kanada ist bei aller Professionalität des Managements immer von einer sehr menschlichen und liebenswerten Note geprägt. Gerade das genießen trotz hohen Dollarkurses, der sich in Kanada jedoch weit glimpflicher auswirkt als in den USA, immer mehr Gäste aus Europa. Jeder Liftboy wünscht dem Gast einen schönen Tag, Drängeln ist verpönt und zudem unnötig, denn Warteschlangen sind unbekannt. Und wer möchte, kann in Sun Peaks ganz einfach mit einem der Sportidole des Landes Ski fahren. Nancy Greene, Olympiasiegerin der Winterspiele 1968 von Grenoble und als Skidirektorin und Hotelbesitzerin in Sun Peaks zu Hause, geht gerne mit Gästen auf die Piste. "Fahr Ski mit Nancy", steht auf dem Schild am bekannten Treffpunkt. Und pünktlich zur angegebenen Uhrzeit erscheint die sportliche Großmutter mit einem unwiderstehlichen Lächeln unter ihr Skimütze.

Caroline und Frank kommen aus Holland. Ihre Spezialität ist freilich nicht das Carven, sondern das Backen. Es duftet nach frischem Apfelstrudel in ihrem gemütlichen Café namens "Bugaboos". Und das wiederum liegt im Wilden Westen, genauer in Silver Star. Diese Skistation vervollständigt nicht nur das magische Schneedreieck in B C, wie British Columbia von seinen Bewohnern gerne abgekürzt wird. Silver Star ist wohl einmalig. Denn eine knappe Autostunde von Kelowna entfernt trifft der Skifahrer in den Bergen auf ein liebevoll gestaltetes Dorf im Wildweststil. Ob Hotel, Skischulstation, Restaurant oder Bar - alles wurde im Nostalgielook erbaut. "Aber", sagt Marketing Vize-Präsident Jeff Putnam, "unser Skigebiet ist keinesfalls von gestern." Mehr als 100 markierte Pisten und durchschnittlich rund sieben Meter Schnee pro Winter sprechen eine deutliche Sprache.

In den nächsten Jahren möchte der Ort seine Bettenzahl von 4200 auf 8000 erhöhen. Ein Masterplan sieht ein Investitionsvolumen von 150 Millionen Dollar (etwa 220 Millionen Mark) für neue Hotels und Apartments vor. "Wir haben uns einem kontrollierten Wachstum verschrieben", sagt Judd Buchanan, vormals Bundesminister und nun als "President" oberster Sprecher des Skigebietes, "aber wir werden Charme und Geborgenheit unseres Ortes beibehalten." Dass dazu auch Caroline und Frank Berkers und ihr Bugaboos Bakery Café beitragen, hat jüngst das kanadische "Ski Magazine" festgestellt. Die Zeitschrift wählte das Kaffeehaus in der Kategorie "Beste Bäckerei in einem Skiort" auf Platz 1.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!