Zeitung Heute : Maillinglisten und Newsletter machen den Computer zur Nachrichtenzentrale

Kurt Sagatz

Der größte Nachteil vieler aktueller Internet-Angebote ist, dass man erst nach dem Besuch weiss, ob sich der Besuch lohnt. Dieses Dilemma ist den Betreibern nicht nur bekannt, sie haben auch eine Lösung des Problems gefunden. Ob nun ZDF online, Focus online, der Kress Report, BerliNews, die Internet-Akademie oder der Stern: Sie alle bieten Internet-Newsletter an, die als E-Mails den Abonnenten in regelmäßigen Abständen über News und Neuigkeiten informieren - natürlich mit dem Ziel, die Leser auf ihre Seiten zu ziehen. Newsletter und Maillinglisten sind fast so alt wie die E-Mail-Kommunikation insgesamt. Ein elektronischer Brief lässt sich bekanntlich nicht nur an einen Adressaten, sondern an ganze Gruppen schicken. Nach dem gleichen Verfahren senden Maillinglisten ihre Nachrichten an alle Listenmitglieder.

Bei Newslettern wie denen von Focus und Stern sind nur die Redaktionen berechtigt, News an die Listenmitglieder zu versenden. Daneben gibt es aber auch so genannte Diskussionslisten, bei denen jedes Mitglied die Möglichkeit hat, alle anderen Abonnenten auf diese Weise einfach zu benachrichtigen oder eben einen Diskussionsbeitrag zu verfassen. Entweder wird dieser Beitrag dann einfach an die Liste geschickt, wie es bei einer unmoderierten Liste geschieht. Oder aber der Betreiber der Liste hat sich das Recht vorbehalten, die neuen Beiträge vor der Veröffentlichtung zu prüfen, um so dafür zu sorgen, dass die Diskussionen den Faden nicht verlieren. In diesem Fall wird von moderierten Listen gesprochen.

Wie in allen Teilen des Internets ist auch bei Maillinglisten und Newslettern das Angebot inzwischen beinahe unüberschaubar geworden. Ohne eine spezielle Suchmaschine blieben wohl die meisten interessanten Angebote für immer im Verborgenen. Einen umfangreichen Katalog hält die Webseite www.liszt.com vor. Über 90 000 internationale Listen können dort recherchiert werden. Allerdings mit Schwerpunkt in den USA, denn zum Stichwort Berlin werden gerade einmal elf Treffer gemeldet. Erheblich ergiebiger bei der Suche nach deutschsprachigen Newslettern oder Diskussionslisten ist Meta-List.net. Deren Gesamtbestand beläuft sich auf über 230 000 Listen, allein zu Berlin spuckt die Datenbank 424 Einträge aus. Allerdings handelt es sich dabei vielfach um geschlossene Listen von Firmen oder wissenschaftlichen Einrichtungen. Doch auch allgemeine Listen zum Beispiel über das Berliner Nachtleben, interessante Internet-Links aus Berlin oder zur Schlossplatzdiskussion lassen sich über www.meta-list.net recherchieren.

Die Anmeldung bei den meisten Public-Interest-Listen ist unkompliziert. Im einfachsten Fall reicht die Angabe der E-Mail-Adresse aus, um in den Verteiler aufgenommen zu werden. Bei Angeboten wie der Netzausgabe des "stern", der derzeit 11 Newsletter zu Themen von Auto über Finanzen bis Reise herausgibt, ist zumeist eine Newsletter-Verwaltung im Einsatz. Vor dem ersten Abo muss sich der Interessent anmelden und erhält ein Passwort, mit dem er Listen abbestellen oder neue hinzunehmen kann, wobei sämtliche Schritte auf ganz normalen Internet-Seiten erledigt werden können. Daneben gibt es auch Angebote, bei denen die Verwaltung ausschließlich über E-Mails erfolgt. Um sich von einer solchen Liste abzumelden, muss an eine spezielle Adresse ein "unsubscribe" Befehl gesendet werden. Die Erklärungen, wie die Liste funktioniert, sollten archiviert werden.

Überhaupt besteht die größte Gefahr darin, dass der normale E-Mail-Posteingang recht schnell verstopft wird. Wer nicht täglich seine Mails überprüft, wird schnell den Überblick verlieren und möglicherweise wichtige persönliche Briefe übersehen. Moderne E-Mail-Programme - egal ob nun von Netscape oder Microsoft - erlauben deshalb auch die Einrichtung zusätzlicher Ordner. Damit die Mails auch in den richtigen Fächern landen, lassen sich so genannte Filter oder Regeln definieren. Da die meisten Maillinglisten entweder beim Absender, im Betreff-Feld oder in der Anschrift eindeutige Kennzeichnungen enthalten, übernimmt das Programm bei jeder neuen Mail im Hintergrund die richtige Verteilung, so dass der normale Posteingang frei für die reguläre Post bleibt.Die nächste Folge am Sonntag behandelt das Thema Homebanking

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