Maison de France : Französisch mit Untertiteln

Berlin ohne das Cinema Paris am Kurfürstendamm, das geht ja gar nicht. Liebeserklärung an eines der letzten Traditionskinos im alten West-Berlin.

Goldgelb leuchtet der Saal am Ku-Damm 211, in dem Filme wie "Ziemlich beste Freunde" oder "Mademoiselle Populaire" ihre Deutschlandpremiere feierten.
Goldgelb leuchtet der Saal am Ku-Damm 211, in dem Filme wie "Ziemlich beste Freunde" oder "Mademoiselle Populaire" ihre...Foto: www.cinema-paris.de

Ein Cinema Berlin auf der Champs Élysées, das wäre doch was. Zum Beispiel zur Befriedung der jüngsten Spannungen zwischen den Kulturnationen, seit der Louvre deutsche Kunst ausstellt, die den Franzosen gar nicht schwermütig genug sein kann. Die Idee ist allerdings nicht neu. François Cluzet brachte sie aus der Seinestadt mit, als das Cinema Paris am Berliner Kurfürstendamm nach Renovierung und Betreiberwechsel mit Chabrols „L’enfer“ wiedereröffnete, im April 1994. Cluzet? Genau, der bis zum Hals gelähmte Millionär im Megahit „Ziemlich beste Freunde“, der 2011 ebenfalls hier Deutschlandpremiere feierte, wo auch sonst.

Wird der Verkauf des Maison de France auch zum Ende des Kinos führen, einem der letzten Traditionshäuser der City West? Berlin ohne Cinema Paris? Non, merci, denn FOmU, Französisch mit deutschen Untertiteln, gibt’s täglich nur hier. FOmU, das ist Charme, Erotik, Frechheit, es sind singende Diven von Isabelle Huppert bis Fanny Ardant (in „8 Frauen“), es ist Ludivine Sagnier, die sich am „Swimming Pool“ räkelt oder Catherine Deneuve als „Schmuckstück“ im roten Jogginganzug. Auch sie lief hier im Original, wochenlang.

Mehr Filmtitel gefällig? „Die Liebesfälscher“, „Die anonyme Romantikerin“, „L’Amour“, „Mademoiselle Populaire“ – was für ein Programm. Und wenn der graue Berliner Spätherbst in den noch graueren Winter übergeht, lockt das Cinema Paris mit den französischen Filmtagen, mit meist heiterer Frankophonie. Film als Verführung der Sinne, im goldgelb leuchtenden Saal am Ku’damm 211, als Einspruch gegen die schnöde Realität – oder als Kunst, mit unerhörter Leichtigkeit mindestens die Hölle ins Auge zu fassen. Ein gutes Stück Europa ist das Kino auch immer gewesen, mit einer 90-Prozent-Quote für europäische Filme. Hollywood gibt’s sonst ja genug.

Am Freitag werden in Berlin die Deutschen Filmpreise verliehen. Deutsche Filme handeln oft vom Unglück. Die Franzosen drehen gern Filme über das Glück. Davon kann Berlin nicht genug bekommen. Übrigens: Sollte es je das Cinema Berlin in Paris geben, ließe sich dort die legendäre Cinema-Paris-Sonntagsmatinee mit Gustaf Gründgens’ „Faust“ wiederbeleben. Habe nun, ach, damals in den Achtzigern. Den Franzosen würde es gefallen.

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