Zeitung Heute : Maler, Drache, Triumphator

Winterzeit ist Spielezeit – diese fünf Neuerscheinungen bieten Unterhaltung für die ganze Familie

Kleines Meisterwerk. Für „Fresko“ schlüpfen die Spieler in die Rollen von Malern, die ein Deckengemälde restaurieren müssen. Foto: Promo Verlag Queen
Kleines Meisterwerk. Für „Fresko“ schlüpfen die Spieler in die Rollen von Malern, die ein Deckengemälde restaurieren müssen. Foto:...

Dieses Fresko ist ein kleines Meisterwerk. Talentierte Spieler können dabei sogar ihr eigenes Meisterwerk gestalten. Denn für „Fresko“ (Verlag Queen) schlüpfen die Spieler in die Rollen von Malern. Ihre Aufgabe: Sie müssen das Deckengemälde in einem Dom restaurieren. Was als anspruchsvolles Familienspiel beginnt, können geübte Spieler mit Zusatzreglen noch herausfordernder machen. „Fresko“ war nominiert für die Wahl zum Spiel des Jahres – und hätten statt einer Fachjury Spieler entschieden, hätte „Fresko“ wohl gewonnen.

Das Material ist sehr schön, und spielerisch hat „Fresko“ für zwei bis vier Spieler von zehn Jahren an einiges zu bieten. Als Maler müssen sie ihren Tag planen: auf dem Markt Farbe kaufen, in der Werkstatt neue Farben mischen, Porträts malen, um Geld zu verdienen– und ihre Gehilfen bei Laune halten. Siegpunkte gibt es für das Restaurieren des in 25 Quadrate unterteilten Gemäldes. Fresko (30 Euro) ist beste Unterhaltung für eine bis eineinhalb Stunden.

Spaß für die Kleinen bietet „Diego Drachenzahn“ (Haba), das Kinderspiel des Jahres. Es ist ein Kegelspiel, das Geschick und Taktik verlangt. Die Schachtel ist die Bahn. Drei rote Murmeln sind die Feuerbälle des Drachen. Wer dran ist, muss sie in das von acht Fächern schussern, dessen Symbol mit einer vorher geheim gezogenen Karte übereinstimmt. Die Mitspieler tippen das Zielsymbol und bekommen einen Punkt, falls sie es erraten. Schlau ist der, der für die Mitspieler eine falsche Fährte legt – zum Beispiel indem er sich die Freude verkneift, wenn er ins Ziel trifft. Kinder von fünf bis acht Jahren werden bei „Diego Drachenzahn“ (20 Euro) 15 Minuten lang ihren Spaß haben.

Prinzipiell auch mit Kindern spielbar, aber sehr abstrakt und Jüngeren deshalb schwer zu vermitteln ist „Qwirkle“ (Schmidt). Steuererklärungen passen immer noch nicht auf einen Bierdeckel. Die Regel des Legespiels schon. „Qwirkle“ besteht aus 108 Holzquadraten, die sechs verschiedene Symbole in sechs Farben zeigen. Die Spieler müssen damit Reihen legen – entweder farb- oder symbolgleiche. Je länger die Reihe, desto mehr Punkte gibt es. Das Spiel für zwei bis vier Personen von sechs (besser acht) Jahren an ist planbarer, als man anfangs denkt. Eine Partie dauert 30 bis 45 Minuten, meistens folgen aber weitere. Auch Qwirkle (30 Euro) hat bereits Preise gewonnen.

Einfache Regeln hat auch das Malspiel „Identik“ (Asmodee). Man muss aber nicht wirklich malen können – das Spiel ist vor allem beste Unterhaltung. Die Spielerzahl ist nach oben hin nicht begrenzt und eigentlich nur von der Größe des Tisches abhängig. Wenigstens drei, besser vier Personen von acht Jahren an sind Minimum. Bis auf einen malen in jeder Runde alle. Der eine zieht eine von 120 doppelseitig bedruckten Karten, dreht eine Sanduhr um und beschreibt die darauf gedruckte Illustration – mal mehr, mal weniger hektisch. Die anderen haben eineinhalb Minuten Zeit, um das Beschriebene zu malen. Ist das letzte Sandkorn durchgerieselt, wird der untere Teil der Karte enthüllt. Dort stehen die zehn Details, die man hätte zeichnen müssen, um Punkte zu bekommen – falls der Vorleser sie überhaupt erwähnt hat. „Identik“ (30 Euro) ist ein Brüller. Wer unbedingt gewinnen will, sollte etwas anderes spielen. Wahrscheinlich müssen aber bald Blöcke und Stifte nachgekauft werden, weil das Spiel so gut ankommt.

Zweifellos ein Spiel, das einen Triumphator und zwei bis vier Verlierer zurücklässt, ist „Magister Navis“ (Lookout). Schon der Titel zeigt, dass es hier nicht um Kleinigkeiten geht. Vom Europa des 18. Jahrhunderts aus wird die Welt mit Schiffen erforscht und Handel getrieben. Wären die Regeln nicht unnötig komplex (zwölf Seiten!), hätte „Magister Navis“ das Zeug zum Spiel des Jahres. Aber die Mühe lohnt sich. Jeder mimt eine Kolonialmacht, die in vier Bereichen (Industrie, Kultur, Finanzen, Politik) Ruhmespunkte sammelt. Dazu werden Gebäude gebaut, Schiffe auf Reisen geschickt und enteilende Spieler mit Hilfe von Kanonen wieder in Reichweite gebracht. „Magister Navis“ (35 Euro) beginnt gemächlich, bringt einen aber am Ende aber fast ins Schwitzen. Kinder unter zwölf Jahren und Gelegenheitsspieler dürfte es überfordern.

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