MALEREISergej Jensen : Drei Farben Beige

Heutzutage gibt es unendliche viele Möglichkeiten ein Bild zu gestalten. Wer noch zu Leinwand und Farbe greift ist entweder ein Traditionalist oder ziemlich mutig. Für den1973 in Dänemark geborenen Maler Sergej Jensen dürfte Letzteres zutreffen. Jensen bekommt für seinen „innovativen Umgang mit grundlegenden malerischen Mitteln“ in dieser Woche den Fred Thieler-Preis für Malerei der Berlinischen Galerie verliehen. In der Jury saßen neben dem Hausherren der Berlinischen Galerie Thomas Köhler und Nationalgalerie-Direktor Udo Kittelmann auch drei exquisite Maler-Kollegen: Valerie Favre, Katharina Grosse und Gerwald Rockenschaub, alle drei stehen für ihren singulären Umgang mit Leinwand und Farbe. Ihnen traut man zu, dass sie sehen, wenn einer aus der Masse heraussticht. Und Sergej Jensen ist so ein Fall.

Jensens Gemälde sind extrem reduziert. Wie würde man sie beschreiben? Beige, ausgebleicht, abstrakt, er wird gerne „der Maler ohne Farbe“ genannt, denn sein Material ist die Leinwand oder Stoffe, die ähnlich blass und nüchtern daherkommen und die er auf Leinwände appliziert. Manchmal sieht man Streifen in den Bildern, andere sind fast monochrom, nur irgendwo gibt es ein Stück Stoff oder ein paar Farbpunkte. Jensen hat keine Angst davor, sich in den zahllosen kunstgeschichtlichen Referenzen von Abstraktion, Farbfeldmalerei oder Minimalismus zu verlieren. Wenn, dann tun das die Betrachter. Seine Bilder sind so frech auf das Wesentliche reduziert, dass sie Platz lassen für Assoziationen, sie seien „interaktiv“ sagen manche und das ist für ein altes Handtuch – auch das kann bei Jensen zum Bild werden – ein schönes Kompliment. Birgit Rieger

Berlinische Galerie, Mo 18.3. bis Mo 17.6., Mi-Mo 10-18 Uhr, 8 €, erm. 5 €

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