Zeitung Heute : Mallorca: Bier am "Ballermann" wird nicht schal

Hubert Kahl

Die Charterflugzeuge starten und landen auf Mallorcas Flughafen ohne Unterlass. An der berühmt-berüchtigten Strandbar "Ballermann" drängeln sich die Sonnenhungrigen und Sangria-Durstigen. Von einer Krise der Tourismusbranche ist auf der spanischen Ferieninsel nichts zu spüren. Und doch herrscht unter den Hoteliers und Reiseveranstaltern eine ziemliche Aufregung. Mallorca hat einen schlechten Start in die diesjährige Reisesaison hingelegt. Die Hotelbesitzer sprechen gar vom schlechtesten Saisonbeginn der vergangenen zehn Jahre.

Vor allem die Deutschen scheinen verstärkt ihrer Lieblingsinsel den Rücken zu kehren. Die Zahl der Buchungen ging wie schon im Vorjahr zurück. Umstritten ist allerdings, wie stark der Rückgang ist. Die Hoteliers sprechen von "drastischen Einbrüchen"; die autonome Regierung der Inselgruppe der Balearen sieht jedoch keinen Grund, Alarm zu schlagen.

"Wir verzeichnen auf dem deutschen Markt einen Rückgang der Buchungen um 20 bis 25 Prozent", sagt der Präsident des Hotelierverbandes, Pedro Canellas. "Für die Hotels ist das ein schwerer Rückschlag, denn die meisten Feriengäste kommen aus Deutschland." Der balearische Tourismus-Minister Celesti Alomar geht hingegen davon aus, dass die Zahl der deutschen Urlauber nur um zwei Prozent zurückgegangen sei. Die Differenz erklärt sich daher, dass die Hoteliers nur die Zahl der Hotelgäste registrieren, während die Regierung die am Flughafen ankommenden Passagiere und damit auch die Bewohner von Zweit- und Ferienwohnungen als Touristen zählt.

Preise gesenkt

Allerdings werden trotz des Rückgangs Mallorcas Strände in der Hochsaison im Juli und August nicht leer bleiben, und das Bier am "Ballermann" wird nicht schal werden. Briten und Festlandsspanier machen den Rückgang bei den deutschen Urlaubern teilweise wett. Auch bei den Deutschen findet Mallorca in den vergangenen Wochen wieder ein größeres Interesse. Die Hoteliers haben, um den Markt zu beleben, ihre Preise um bis zu zehn Prozent gesenkt.

Eine wirkliche Tourismus-Krise ist ohnehin ziemlich unwahrscheinlich. "Wir liegen zwar bislang unterhalb der Vorjahreszahlen, aber man kann nicht sagen, dass dies ein schlechtes Jahr wird", sagt Juan Carlos Alia, Sprecher des Reisekonzerns TUI auf Mallorca. Der Tourismus-Minister erwartet sogar, dass Mallorca unter dem Strich wie im Vorjahr wieder auf knapp acht Millionen Touristen kommen werde.

Geändert hat sich allerdings das Buchungsverhalten. Die Deutschen buchen ihren Urlaub kurzfristiger. Die Branchenexperten erklären dies damit, dass das Angebot an Urlaubszielen größer geworden sei. Die Türkei oder die Adria-Region, die vor zwei Jahren unter Erdbeben und den Auswirkungen des Kosovo-Kriegs gelitten hatten, machen nun Mallorca wieder Konkurrenz. "Der Urlauber kann sich Zeit lassen und sich in aller Ruhe entscheiden", sagt Canellas. "Für uns Hoteliers hat dies den Nachteil, dass wir bis heute nicht wissen, wie die Saison verläuft. Außerdem sind Last-Minute-Buchungen meistens mit Preisnachlässen verbunden, die auch bei uns durchschlagen." In Mallorcas Reisebranche schwankt die Stimmung zwischen vorsichtigem Optimismus und bangem Abwarten. Dies hat auch damit zu tun, dass die Mallorquiner dem Tourismus mit gespaltenen Gefühlen gegenüber stehen. Auf der einen Seite haben viele Inselbewohner das Gefühl, dass ihr Eiland überlaufen ist, und manch einer ist froh, wenn der große Urlauberstrom im Herbst wieder vorbei ist. Auf der anderen Seite herrschen in der Branche gleich Katzenjammer und Alarmstimmung, wenn die Zahl der Touristen einmal etwas zurückgeht.

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