Zeitung Heute : „Man braucht Wissen über Markt und Moneten“

Gründer-Beraterin Irene Fahner rät angehenden Selbstständigen, sich ihre Idee nicht klauen zu lassen

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Frau Fahner, was sollten junge Leute tun, wenn Sie eine Geschäftsidee haben?

Sie sollten nur guten Freunden davon erzählen! Denn es gibt schnell Nachahmer für wirklich gute Ideen. Und als nächstes sollten sie sich Fachinformationen holen.

Wo gibt es die?

Bei der Industrie- und Handelskammer der jeweiligen Stadt gibt es Informationsmaterial und Beratung durch Fachleute. In Berlin bieten wir ein Gründer-Paket für 7,50 Euro mit den wichtigsten Basis-Merkblättern an. Studenten können sich auch an Existenzgründer-Beratungsstellen der Universitäten wenden.

Und was kostet die persönliche Beratung bei der IHK-Berlin?

25 Euro für eine halbe Stunde. Deshalb sollten Interessenten das Informationsmaterial vorher genau durcharbeiten und sich gezielt Fragen notieren. So kann man in der kurzen Zeit vieles klären. Auch wer nach Stichworten auf den Internetseiten der IHK sucht, findet vorab vieles, was dann nicht mehr im Gespräch erfragt werden muss. Wer gut informiert ist, nimmt mehr aus der Beratung mit.

Was muss man denn alles wissen, wenn man eine Firma gründen will?

Eigentlich alles über Markt und Moneten. Man sollte wissen, welche Konkurrenten es in der Branche gibt, ob und wie man sich den Firmennamen schützen lassen kann, wo es Förderprogramme gibt, wofür man nachher haftet und wie man sein Unternehmen finanzieren kann.

Woher soll man denn vorher wissen, ob eine Firma nachher schwarze Zahlen schreibt?

Indem man einen Businessplan macht. Man muss ganz genau ausrechnen, welche Einnahmen man erwartet, welche Kosten entstehen werden und wie viel am Ende an Steuern wieder abgeht.

Aber das kann man doch gar nicht, wenn man keine BWL-Erfahrung hat?

Dazu gibt es Seminare in Buchführung, Marketing und Steuerrecht. Bei uns kostet das Komplettseminar 120 Euro. Man kann aber auch einzelne Module buchen.

Und wo finden Existenzgründer Förderprogramme?

In Berlin zum Beispiel in der Förderfibel mit Ansprechpartnern und Adressen zu allen Programmen. Die Fibel für 2006 gibt es kostenlos bei uns. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWI) informiert bundesweit.

Wie kann man eine Firma gründen, wenn man noch zur Schule geht?

Minderjährige brauchen die Einwilligung der Eltern, um ein Gewerbe anzumelden. Schülern empfehle ich allerdings, erst einmal in einer Schülerfirma spielerisch Erfahrung als Unternehmer zu sammeln.

Was ist denn eine Schülerfirma?

Das ist ein Schulprojekt, bei dem gemeinsam mit Lehrern und manchmal mit Partnern aus der Wirtschaft ein Unternehmen gegründet wird – zum Beispiel zum Verkauf von Brötchen auf dem Schulhof.

Die Fragen stellte Dagny Lüdemann.

Irene Fahner , 57,

berät Existenzgründer bei der Industrie- und

Handelskammer (IHK) Berlin. Sie gibt Tipps zum Businessplan. Auch zu Steuer- oder Rechtsthemen gibt es IHK-Spezialisten.

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