Zeitung Heute : Manager in Tante-Emma-Läden

KURT SAGATZ

Das Internet gilt als Wegbereiter der Globalisierung.Supranationale Großkonzerne erobern weltweite Märkte und graben dem Mittelstand das Wasser ab.So die gängige Meinung.In eine ganz andere Richtung zielt das Geschäftsmodell des Gründerunternehmens Berlinpur.Auf der am Dienstag in Berlin beginnenden Internet World (18.bis 20.Mai) will die Startup-Company zeigen, daß selbst Tante-Emma-Läden im World Wide Web wirtschaftlichen Erfolg haben können.

Rund 500 kleine Firmen der Region will Berlinpur unter der Internet-Adresse www.berlinpur.com bis zum Jahresende unter Vertrag nehmen und ihnen eine Visitenkarte ins Netz stellen, so Marketingleiter Andreas Vogt.Vernetzt werden soll alles vom Lebensmittelladen um die Ecke bis zum Friseur, der Edelboutique Unter den Linden bis zum Immobilienmakler.

Und damit die Kunden von Berlinpur ihrerseits auf Kunden stoßen, sollen Schnäppchen für die nötige Bekanntheit der Adresse im Web sorgen.Immerhin haben es die drei Gründer des jungen Unternehmens bereits geschafft, ihr Programm zur Verwaltung einer virtuellen Einkaufsmeile nach dem Arkaden-Vorbild erfolgreich zu präsentieren.1998 gewann das Unternehmen einen Multimedia-Wettbewerb von VDI und VDE und erhielt damit die Eintrittskarte für den Messeauftritt im Gründerpavillon (Halle 6.2) der Internet World.

Der Internet-World-Aussteller Canbox mit Sitz im "Silicon Valley des Nordens" (Oldenburg) und Dependancen in Berlin, Boston und auf Mallorca hat sich die Bewältigung der Kommunikationsflut zur Aufgabe gesetzt.Damit gestreßte Manager von überall auf der Welt an ihre Anrufbeantworter-Nachrichten, Faxe oder E-Mails gelangen können, entwickelte Canbox ein sogenanntes Unified Messaging System, bei der der Nutzer alle eingegangenen Informationen entweder per Telefon oder einfacher noch über das Internet abrufen kann.Immerhin 50 000 Kunden nutzen bereits die Vorteile dieses Systems, über das man sich unter der Adresse www.smartmessage.de informieren kann.Seit kurzem werden auch Geschäftsbriefe entgegengenommen, eingescannt und als Digitaldokument über das Netz bereitgestellt, damit dem virtuellen Unternehmen keine Hindernisse mehr im Weg liegen.

Große Pläne sind die große Klammer vieler junger High-Tech-Unternehmen.Der amerikanische Traum, wieder auferstanden in den 90er Jahren durch Firmen wie Netscape, Amazon oder Yahoo, gilt inzwischen auch in Deutschland als Leitbild einer ganzen Branche.Zu denen, die den Sprung ins kalte Wasser der Selbständigkeit mit einer auf Computertechnik basierenden Geschäftsidee gewagt haben, gehört auch Sylvia Wirsig, Inhaberin der Berliner CCS Call Center Service-Gesellschaft.

Ihr Unternehmen ist bereits zum zweiten Mal auf der Internet World, denn auch bei den Call-Centern geht heutzutage fast nichts mehr ohne das Netz.Seitdem die E-Mails bei vielen Anwendern die klassische Post längst abgelöst haben, wird dieser Weg der Kontaktaufnahme zu Kunden und Hilfesuchenden einer Hotline immer wichtiger.Und wichtiger wird dabei natürlich auch ein Forum wie die Internet World, die sich nach Meinung der Aussteller zumindest in diesem Bereich fest neben der Gigamesse CeBIT und der zweiten bedeutenden IT-Messe, der Systems in München, etabliert hat.

Daß die Berliner Veranstaltung trotz der starken Konkurrenz ähnlich gelagerter Messen und Kongresse ihr Publikum gefunden zu haben scheint, belegen die Fakten.So hat sich die Ausstellungsfläche in den vergangenen drei Jahren auf nun 15 000 Quadratmeter vergrößert, und auch die Zahl der Aussteller konnte von 140 (1997) auf rund 350 in diesem Jahr ausgebaut werden.Das Spektrum der Themen der Business-to-Business-Veranstaltung reicht dabei vom reinen Internet-Zugang über professionelle Webdesign-Lösungen bis hin zu Online-Shops und Banking-Systemen.Bei den Ausstellern sind sowohl die Branchengrößen (Telekom, Siemens, Microsoft, Compaq, Cybernet und Intershop) als auch viele Mittelständler vertreten.Insgesamt 30 000 Vorregistrierungen sind bereits beim Veranstalter ComMunic eingegangen.Allein für den hochrangig besetzten (aber auch kostenpieligen) Kongreß haben sich 1500 Teilnehmer angemeldet.Auf der Internet World können sich die Besucher indes nicht nur über Produkte und Ideen informieren, sondern auch selbst aktiv werden.

Tagesspiegel online hat mit seinen Partnerunternehmen Activ Consult und GWP eine Online-Messezeitung vorbereitet, die zu den drei Messetagen die Besucher auffordert, ihre Meinung über das Internet im allgemeinen und unerlaubte Werbemails im speziellen kundzutun.Mehr dazu im Netz und am Mittwoch im Tagesspiegel.In Halle 6.2 wird dafür auf den Terminals eine spezielle Software installiert, mit der auf unkomplizierte Weise Webseiten erstellt und gepflegt werden können.Und genau das wird schließlich vom Internet der Zukunft erwartet: Ein einfacher und trotzdem effektiver Umgang mit dem neuen Kommunikationsmittel.

Vom 18.bis zum 20.Mai findet in den Messehallen unterm Funkturm die INTERNET WORLD 99 statt.Der Tagesspiegel ist vor Ort - in Halle 6.2, am Stand G 8.Live und direkt am Tagesspiegel-Stand können Messebesucher ihre eigene Online Messe-Zeitung produzieren.Autoren gesucht - Mitmachen erwünscht.Wer sein Statement zu TopThemen der aktuellen Netzszene abgibt, gewinnt möglicherweise ein wertvolles Softwarepaket aus dem Systhema-Verlag.Hier klicken .

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