Manager und Mindestlohn : Chefsache

Manager wollen mehrheitlich den gesetzlichen Mindestlohn. Das hat eine Umfrage ergeben, auf die alle Parteien sofort angesprungen sind. Aber was sagt das eigentlich wirklich aus?

Jetzt also auch die Chefs. Es fehlte ja noch, dass sich selbst die maximal bezahlten Menschen in den Führungsetagen dieses Landes für den Mindestlohn einsetzen. Mehr als die Hälfte der deutschen Manager plädiert dafür, ihn gesetzlich festzuschreiben. Das hat eine repräsentative Umfrage im Auftrag des „Handelsblatts“ ergeben. 8,88 Euro je Stunde halten die Chefs durchschnittlich für angebracht – mindestens.

Wer nun denkt, das wäre den Parteien zu billig, der irrt. Auf derlei Umfragen reagieren sie in diesen Zeiten sofort. Plötzlich wird sogar die Linkspartei zum Managerversteher. Für „klüger als Union und FDP“ hält sie die Unternehmenslenker. Außerdem zeige die Umfrage doch, dass der von Rot-Grün geforderte Mindestlohn viel zu niedrig angesetzt sei. Wie viel sind 8,50 wert, wenn gerade Manager sich 38 Cent mehr wünschen? Eine ganze Menge. Glauben die Grünen.

Jedenfalls seien die Führungskräfte beim Thema soziale Verantwortung ein ganzes Stück weiter als die Regierung, sagt die Grünen-Sprecherin für Arbeitsmarktpolitik, Brigitte Pothmer: „Die Manager lassen Merkel damit mutterseelenallein dastehen.“ Merkel kontra Mindestlohn. Endlich ein Thema, mit dem man die populäre Kanzlerin angehen kann. Aber Moment.

Im weitesten Sinne setzen sich Union und FDP doch auch für einen Mindestlohn ein, nur eben nicht für einen gesetzlich festgelegten, lässt Peter Weiß wissen, der Vorsitzende der Arbeitnehmergruppe in der Unionsfraktion: „Die eigentliche Streitfrage ist nicht, ob es einen Mindestlohn gibt, sondern wie er zustande kommt – ob er vom Gesetzgeber vorgeschrieben oder in einer Tarifkommission erarbeitet wird.“ Die FDP möchte in diesem Zusammenhang noch betonen, dass diese Regierung schon viele tarifliche Lohnuntergrenzen geschaffen hat. Und sich weiterhin dafür einsetze.

Konkreter und eher auf der von den Managern gewünschten Linie ist freilich die SPD unterwegs. Glaubt sie, nun davon profitieren zu können? Dann sollte sie lieber noch einmal genauer in die Umfrage schauen. Bei der Frage, wer nach der Bundestagswahl im September die gewünschten wirtschaftlichen Reformen umsetzen soll, spricht sich die Mehrheit der Führungskräfte für die CDU/CSU aus.

So ist das mit Umfragen. Jeder gewinnt – ein bisschen, irgendwie. Zum Wahlkämpfen sind Umfrageergebnisse daher nur bedingt geeignet. Gewiss aber dafür, die Methoden der Parteien im Wahlkampf besser zu verstehen. Das ist wohl auch das Mindeste.

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