Zeitung Heute : Manchmal hilft Plan B

Wenn Eltern andere Zukunftspläne als ihre Kinder haben, können gute Argumente den Familienfrieden retten

Reisen statt pauken. Auch eine Backpacker-Tour lässt sich Eltern als Investition in die Zukunft verkaufen: Wenn dies zum Beispiel für den angestrebten Beruf eine Rolle spielt. Foto: Yevgeny Yepanchintsev/dpa/tmn
Reisen statt pauken. Auch eine Backpacker-Tour lässt sich Eltern als Investition in die Zukunft verkaufen: Wenn dies zum Beispiel...Foto: picture alliance / dpa-tmn

Du träumst von einer Backpacker-Reise nach dem Abi – Deine Eltern wollen Dich schleunigst an der Uni im BWL-Studium sehen. Wenn es um Deine Zukunft geht, haben Eltern manchmal ganz eigene Vorstellungen. Deshalb lohnt es sich, mit den Eltern die eigenen Pläne zu diskutieren.

Dabei gilt: Je früher Du das Thema ansprichst, desto mehr Zeit bleibt, Deine Eltern zu überzeugen. Und wer gut argumentiert, hat schon halb gewonnen. Einige klassische Konflikte im Überblick:

REISEN STATT LERNEN

Du willst nach dem Schulabschluss reisen – Deine Eltern wünschen aber, dass Du schnell mit der Ausbildung beginnst und keine Zeit verlierst. „Ich würde den Eltern frühzeitig sagen, was ich vorhabe“, rät Ulrike Weißhaupt, die bei der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung in Fürth Jugendliche online berät. Sie empfiehlt, einen Plan vorzulegen: „Dann haben die Eltern nicht das Gefühl, die Strukturen vorgeben zu müssen.“

Wenn Du also sagen kannst: Ich will durch die USA reisen, weil ich später ein Fach studiere, in dem Englisch gesprochen wird, hast Du gute Argumente. Doch auch der Backpacker-Trip durch Vietnam lässt sich begründen: „Man muss in einer Fremdsprache klarkommen, wird selbstständiger und sicherer, was man will“, erklärt Weißhaupt. „Man lernt mit schwierigen Situationen klarzukommen, sammelt praktische Erfahrungen“, fügt Carmen Spiegel hinzu. Und vielleicht gibt es ja doch Verknüpfungen zum späteren Job: „Weil man interkulturelle Erfahrungen sammelt und die dabei vielleicht braucht“, erklärt die Gesprächsforscherin von der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe.

AUSBILDUNG STATT STUDIUM

„Für Dich reicht eine Ausbildung. Was willst Du an der Uni? Du kümmerst Dich doch mal um die Kinder!“ Manche Mädchen müssen sich immer noch solche Sätze anhören. „Aber solche Argumente sind in unserer Welt nicht mehr gültig“, meint Spiegel. Längst wollen nicht mehr alle Frauen Kinder. Und wenn sie welche haben, müssten sie diese oft genug alleine versorgen. „Es macht total Sinn, einen Beruf zu wählen, der einen finanzieren kann. Und Akademikerinnen bekommen in der Regel überdurchschnittliche Gehälter.“ Doch manchmal läuft es auch andersherum: Die Eltern möchten, dass Du studiert, Du hast aber keinen Bock mehr auf Kopfarbeit und willst eine Ausbildung machen. Das kannst Du den Eltern Spiegel zufolge so sagen: „Ich möchte erstmal was Praktisches machen – und vielleicht hänge ich noch ein Studium dran.“

AFRIKANISTIK STATT JURA

Die Eltern sehen Dich in ihren Träumen als Anwalt, Du hast aber mehr Lust, Kulturwissenschaften oder Sport zu studieren. „So eine Entscheidung sollte man gut begründen können“, findet Elke Mittag, Studienberaterin an der Universität Hannover. Schließlich musst Du damit rechnen, in der Zukunft immer wieder gefragt zu werden: „Was willst Du denn damit?“ Persönliche Leidenschaft müsse da sein, findet Weißhaupt, „und ein Plan, was ich damit machen will“. Deswegen ist es gut, wenn Du den Eltern zeigen kannst, dass Dich das Thema schon lange interessiert.

Elke Mittag rät, ein Jahr vor dem Abi anzufangen, über das Studienfach nachzudenken. (dpa)

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