Mandelas 95. Geburtstag : Ein Geschenk für alle

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Zwölf Jahre lang war Christo Brand der Gefängnisaufseher von Nelson Mandela – erst auf der Sträflingsinsel Robben Island, später auch auf dem Festland. Fast täglich begleitete der Farmersohn den damals berühmtesten Gefangenen der Welt in dieser Zeit und wurde dadurch für Mandela zu einer Art Freund und Vertrautem. Am Donnerstag zählte Brand zu den vielen Südafrikanern, die den südafrikanischen Volkshelden zu dessen 95. Geburtstag durch Worte und Taten ehrten. Gleich neben dem berühmten Gefängnis von Robben Island, in dem Mandela 18 seiner 27 Haftjahre verbracht hatte, pflanzte der frühere Wärter nun einen Apfelbaum zum Zeichen für einen Neuanfang, umgeben von 67 Schulkindern, die auf Kosten der südafrikanischen Flughafengesellschaft Acsa zum ersten Mal Robben Island besuchen konnten.

Vor vier Jahren haben die Vereinten Nationen den 18. Juli zum Mandela-Tag erklärt – eine bislang einzigartige Ehre. Inzwischen ist aus seinem Geburtstag ein Tag geworden, der die ganze Welt zu Freiheit und Gerechtigkeit mahnt. 67 Minuten sollen Menschen an diesem Tag weltweit etwas für das Gemeinwohl tun – eine Minute für jedes Jahr, das Nelson Mandela seit seinem Eintritt in die Politik im Jahre 1942 in den Dienst der Gesellschaft gestellt hat.

Seine Familie hatte aus diesem Grund am Morgen bereits ein SOS- Kinderdorf im Township Mamelodi besucht und dort Spenden verteilt, anschließend versammelte man sich zum Mittagessen, diesmal allerdings nicht in Mandelas Privathaus in Qunu, wo er die vergangenen Jahre stets gefeiert hatte, sondern in der Privatklinik in Pretoria, wo er seit sechs Wochen schwer krank liegt.

Allerdings scheint sich sein noch vor zwei Wochen extrem kritischer Gesundheitszustand langsam zu verbessern. Seine jüngste Tochter Zindzi sprach diese Woche in einem Interview mit dem britischen Fernsehsender Sky News von „erstaunlichen Fortschritten“: Ihr Vater schaue Fernsehen mit seinen Kopfhörern und komme zu Kräften. Spreche man ihn an, nicke er mit dem Kopf oder hebe die Hand, weil er wegen der Schläuche nicht reden könne. Auch Präsident Jacob Zuma wirkte nach einer kurzen Geburtstagsvisite aufgekratzt und sprach von „anhaltender Erholung“ Mandelas.

Kurz zuvor hatte seine zweite Frau Winnie Madikizela-Mandela gesagt, der 95. Geburtstag ihres Ex-Mannes sei ein Geschenk für die ganze Nation, die sich in diesen Tagen noch einmal hinter Mandela sammele. Frau Mandela widersprach zudem all den Untergangspropheten, die Südafrika nach dem Tod ihres Mannes im Chaos versinken sehen. „Unser Land wird gestärkt aus der Sache hervorgehen und zusammenkommen“, sagte sie dem Radiosender 702.

Auch Mandelas heutige Frau Graca Machel hatte am Wochenende davon gesprochen, inzwischen „weniger besorgt“ um ihren Mann zu sein. Beide feierten gestern auch den 15. Jahrestag ihrer Ehe.Wolfgang Drechsler

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