Zeitung Heute : Mann beißt Hund

Von Harald Martenstein

Rauchen ist praktisch verboten, beziehungsweise die Gesellschaft bewegt sich in Richtung Rauchverbot. Raucher sind eine Minderheit. Die meisten Raucher sehen inzwischen ein, dass sie die Nichtraucher nicht belästigen dürfen. Freiheit ist nicht grenzenlos. Man muss Rücksicht nehmen, verzichten! Das Nächste, was verboten wird, am 1. Januar, sind Autos ohne Katalysator. Betroffen sind meist ältere Autos, die von ihren Besitzern geradezu geliebt werden. Aber diese Autos verschmutzen die Umwelt. Das muss man einsehen.

Eine Sache sehe ich allerdings nicht ein. Warum wird in Berlin nicht endlich der Straßenverschmutzer Nummer eins verboten, die Hunde? Das wäre doch logisch. Hundebesitzer sind eine Minderheit. In einer Umfrage haben die Berliner erklärt, dass sie sich vom Hundekot stärker belästigt fühlen als von allen anderen Beeinträchtigungen, die das großstädtische Leben mit sich bringt. Hunde sind gesundheitsgefährdend, indem sie beißen. Sicher, nicht jeder Hund beißt. Aber es bekommt auch nicht jeder Raucher Krebs, erst recht nicht jeder Passivraucher. Im Durchschnitt sterben pro Jahr in Deutschland vier Personen durch Hunde, sogar tödliche Dackelbisse sind vorgekommen. Außerdem gibt es etwa 10 000 offiziell gemeldete Verletzte, die tatsächliche Zahl wird auf 30 000 Verletzte geschätzt. Das ist eine ganze gebissene Kleinstadt. Außerdem lärmt fast jeder Hund, der nicht bellende Hund ist ein Widerspruch in sich. Lärmschutz, ein hoher Wert. Die Hundebesitzer können sich auch nicht damit herausreden, dass sie Steuern zahlen. Raucher und Autobesitzer zahlen ebenfalls Steuern.

Das generelle Hundeverbot wäre auch zum Besten der Hunde. Welcher Hund wird schon artgerecht gehalten? Zahlreiche Hunde sind überfüttert, leiden unter Bewegungsmangel, andere Hunde müssen als Kampfhunde kämpfen. Der Mensch ist dem Hunde ein Wolf. Gerade der echte Hundefreund müsste also für ein Hundehaltungsverbot eintreten. Ausnahmen sind gewiss zulässig. So, wie in Bars geraucht werden darf und kulturhistorisch wertvolle Oldtimer ein paar Kilometer pro Jahr fahren dürfen, könnte man in Randgebieten wie Lübars oder Kleinmachnow drei zeitlich begrenzte Hundelizenzen an ausgewählte Personen mit gutem Leumund abgeben. Ich bin auch für großzügige Übergangsregelungen, es wäre herzlos, einer alleinstehenden älteren Dame den Gefährten wegzunehmen. Am Ende stünde freilich die hundefreie Gesellschaft, ein sauberes, ruhiges und gefahrenarmes Utopia. Da die Minderheit der Hundebesitzer ein aufbrausendes Temperament besitzt, möchte ich betonen, dass es sich hierbei um meine Privatmeinung handelt, nicht die Meinung der Zeitung. Aber es ist mein demokratisches Recht, für diese Reform zu werben.

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