Zeitung Heute : Manuel Cortez

Viereinhalb Wochen Santorini – auf der griechischen Kykladeninsel stand der Schauspieler eben noch für den Fernsehfilm „Griechische Küsse“ vor der Kamera. Seit zwölf Jahren lebt Manuel Cortez jetzt schon in der Haupstadt, fühlt sich als Getriebener, aber „Berlin hat es geschafft mich festzuhalten“.

Selbstverwirklichung findet Manuel Cortez in der Fotografie, ohne die er sich leer fühlt. Neben der Schauspielerei realisiert der talentierte Allroundkünstler ausdrucksstarke Fotoinszenierungen, zuletzt verwirklichte er eine Fotostrecke zu den sechs Grundpfeilern der Verfehlung der menschlichen Seele – „Fallen Engels“ so der Titel. In Lackschuhen, schwarz-weiß karierter Stoffhose, Belstaff-Kult-Lederjacke, mit Totenkopfkrawatte und dunklem Hut empfängt uns Manuel Cortez im Café Grolmann (1), sein Stammcafé. Auffallend auch seine Gürtelschnalle: ein Totenkopf. Manuel genießt sein extravagantes Künstlerdasein, nicht nur optisch. Er sprudelt vor Ideenreichtum, sein südländisches Temperament schlägt durch. Manuel freut sich auf den Winter, „auf die gute Küche, den Gänsebraten mit Rotkohl im Grolmann“. Der Schauspieler löffelt den Schaum von seinem Latte Macchiato, ein dicker schwarzer Ring ziert seinen Finger, klobiger Silberschmuck Hals- und Armgelenke. Nein, das symbolisiert nicht den portugiesischen alten Adel, sondern ist lediglich „ein schickes Schmuckstück von Diesel aus der limitierten Serie“. Grolmann-Chef Burak mit Bedienung Manuela, die Perle des Hauses, kommt freudig zu uns an den Tisch und schmeißt eine Runde. Kurze Zeit später läuft Manuels Freundin Miyabi mit Hündin Greta vorbei, ein achtmonatiger Jack Russell/Chihuahua Mischling. Und klischeehaft passen Hund und Herrchen perfekt zusammen: die kleine Greta trägt einen Wollpulli mit Totenkopfemblem. Wir brechen auf Richtung Savigny Platz, vor uns die legendäre Curry Wurst Bude Hasenecke (2), für Manuel „die beste Currywurstbude der Stadt mit der feinsten, originären Berliner Currywurst“. Der Banker trifft hier auf den Maler, den Opa mit Enkel, den Busfahrer, das frischverliebte Pärchen und den Schauspieler. Nicht abgehoben, völlig bodenständig und nicht so überlaufen. Manuel bekommt Appetit auf etwas Deftiges und bestellt sich Currywurst mit einer extra Portion Zwiebeln und Pommes rot/weiß – wie immer, wenn ihn der Heißhunger packt. Ein paar Meter entfernt schmiegt sich der Bücherbogen (3) an die Bahngleise vom Savigny Platz. Wer auf der Suche nach Büchern mit den Themen Kunst, Foto, Design, Film, Mode, Theater und Tanz ist, wird im Bücherbogen garantiert fündig. Die zahlreichen Bildbände zu den einzelnen Schwerpunkten werden durch die dazugehörige theoretische Literatur ergänzt. Saudeck ist Manuels absolutes Idol, seine Bilder, seine Inszenierungen inspirieren den leidenschaftlichen Fotokünstler. Auf unserem Weg zu einem Designermöbelladen erzählt er uns von seinem laufenden Fotoprojekt „Pierrot“, für das er noch bis Ende November 45 befreundete Schauspieler in Szene setzen möchte – nach dem Motto: „Was ist echt, was ist Maske“. Angekommen im Showroom vom Schmidt’n (4), wo Innenarchitekt Jörg Schmidt seine Designerstücke und Accessoires ausstellt, duftet es wunderbar nach Vanille-Kerzen. Ausgefallene Designerstücke lagern hier: Deckenleuchten, Couchtische, Deckenlampen und Duftkerzen. Die meisten Wohnaccessoires kauft Schmidt’n Chef Jörg bei exklusiven Herstellern in Paris ein. „Manuel und seine Freundin sammeln schon seit Jahren meine Showpieces – Vasen, Lampen, Couchtische und andere Highlights“, plaudert Jörg. Manuel steht auf die vielfältige Auswahl an schönen Einzelstücken, auf das Design und die Feinheit der Objekte, „es ist etwas Exklusives, nicht überladen, nicht aufdringlich und dabei nicht zu teuer“. Zuhause mischt der Schauspieler stilvolle, moderne Sachen mit trashigem Kitsch, den bekommt er im Asia-Kunsthandel um die Ecke: Chinesische Möbel und Kunsthandwerk (5). Zwischen Ramsch und Trash findet Manuel in dem Stöberladen immer wieder exotische Perlen: Einen großen Terrakottakrieger, Buddhafiguren, einen in Bronze gegossenen Drachen, silberne Kois und massive asiatische Schränke mit geschnitzten Elementen. Der 29-Jährige steht auf diese Vermischung von Stil und Kitsch. Ein paar Straßen entfernt befindet sich ein weiterer Laden, in dem Manuel viel Zeit verbringt: der „Guitar Shop“ (6), seit Jahrzehnten als Insider-Tipp unter Musikern gehandelt. Der Schauspieler liebt die Musik – Singen, Komponieren und Gitarrespielen. Sein musikalisches Talent stellt er auch gleich mal unter Beweis, schnappt sich die silbern-funkelnde Resonator Gitarre und legt los. Die restlichen Kunden zeigen sich vom spontanen Soloauftritt begeistert und spenden Applaus. „Ja, der kann was“, murmelt der Fachmann am Tresen. Über 1000 Gitarren gibt es hier. Die Westerngitarren sind am teuersten, die lagern in der „Meistergitarrengalerie“. Der Klassiker „Jose Ramirez 1A“ liegt bei 6000 Euro. Nicht ganz so kostspielig ist Manuels Kopfbedeckung aus dem Hutladen Chapeaux (7). Hüte sind ihm persönlich sehr wichtig, er vermisst die Zeit, in der Kopfbedeckungen zum Alltag gehörten. Der Hut ist in seinen Augen „das wandelbarste und exklusivste Modeaccessoire überhaupt“. Von schlicht über klassisch bis hin zu extravagant – bei Chapeaux findet man bestimmt einen passenden Kopfschmuck, aus eigener Fertigung, nichts von der Stange. Manuel hat seinen Hut hier nach eigenen Wünschen angepasst bekommen, für ihn ist er „wie eine Krone, wie ein Markenzeichen für das, was man ist“. Ähnlich extravagante Mode besorgt sich der Künstler ansonsten im „Planet“, die Shoppingperle von Mik Moon und Wera Wonder. Planet Headquarters (8) existiert seit 25 Jahren. Ein Berliner Klassiker und Kultfashionstore. In den Achtzigern entwarfen Wera Wonder und Mik Moon für befreundete Musiker den individuellen Bühnenlook, heute führen sie in ihrem eigenen Laden Labels aus Übersee. Es ist das Fingerspitzengefühl für neue Modeströmungen, die Gratwanderung zwischen etabliertem Luxus und einer Prise Rock’n’Roll, die das Einkaufen für Manuel so spannend macht, „eine Bastion gegen Eintönigkeit und Langeweile im Modeeinheitsbrei“. Mik und Wera bedienen das Individualkünstlerklientel, eine Mischung aus Schauspielern, Musikern und Normalos. Ihre richtigen Namen haben die Berliner Urgesteine längst vergessen – Mik Moon und Wera Wonder steht seit Jahren in sämtlichen Ausweisen. Manuel verabschieden wir im Planet, Wera wartet schon mit einem Berg frisch eingetroffener hipper Kleidungsstücke. Sophie Guggenberger

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar