Zeitung Heute : Marathon tanzen

Wie ein Partygänger Berlin erleben kann

Daniel Haaksman

WAS MACHEN WIR HEUTE?

Foto: Kai-Uwe Heinrich

Wollen Sie dieses Wochenende so richtig tanzen? Dann gehen Sie doch morgen Abend ins „Kinzo“, dort spielt DJ DSL. Sie erinnern sich vielleicht: Das ist der sehr bekannte Wiener Hip Hop-DJ, über dessen Berliner Auftritte ich an dieser Stelle schon mehrfach berichtet habe. DJ DSL – der Name steht übrigens für DJ Danube Superleinwand – ist mein Lieblings-DJ. Er sucht sich immer die geschmackvollsten Stücke aus, wenn er auflegt, dann ist das Garant für allerbeste Tanzmusik – und das mit, im Gegensatz zu House-Music, vergleichsweise langsamen Beats. Das hat für mich mit Magie zu tun, und das gelingt auch nur den wenigstens Plattendrehern. Ich lege Ihnen DJ DSL aber nicht nur wegen seiner Mixkünste ans Herz, Sie sollten ihn sich morgen Abend auch anschauen, weil er im Rahmen der Party-Reihe „Legacy" auflegt.

„Legacy" bedeutet übersetzt „Vermächtnis“, und diese Vermächtnisse gehören im Moment zu den wertvollsten in Berlin. Auf dem Programm der „Legacy“-Partyreihe steht afroamerikanische Musik. Es werden Funk und Soul, Hip Hop und Disco gespielt, alt wie neu, und immer mit Blick auf die Tanzbarkeit. Wer den Hang zum Marathontanzen hat, könnte vor vier Uhr morgens nicht wieder von der Tanzfläche herunter finden. Morgen wird bei „Legacy“ übrigens auch erstmals eine Live-Einlage zu hören sein, bei der Musiker den Warm-Up DJ Marcel Vogel begleiten.

Wo Sie morgen Abend leider nicht hingehen können: ins „Rio“ in Mitte, das vor etwa einem Jahr von begeisterten Amateuren gegründet worden ist. Vielleicht haben Sie es schon gehört: Der Club ist vorerst geschlossen. Zum Glück nicht für ewig, aber in den bisherigen Räumen wird erstmal Pause gemacht. Es wird umgebaut, neue Toiletten sollen auch installiert werden (endlich!), und es laufen Anträge, um den Club künftig offiziell weiterzubetreiben. Wie lange das dauern wird, ist nicht klar, aber bevor das „Rio“ in seinen angestammten Räumen – ein ehemaliges brasilianisches Restaurant – wieder eröffnet, wird er durch verschiedene Berliner Clubs vagabundieren.

Vergangene Woche hatte das „Rio“ Halt gemacht im „Pax“-Club an der Brunnenstraße, dort, wo bis vor kurzem noch das „F.U.N.“ zu Hause war. In den kommenden Wochen wird der Club im „Maria“, in der „Kunstfabrik“ und an anderen Orten gastieren. Im „Pax“ konnte man schon sehen, dass das Club-Konzept „Rio" auch außerhalb seiner trashigen Location funktioniert: Das Publikum amüsierte sich wie immer, obwohl auch hier die DJ’s wieder nicht mixen konnten und der Sound etwas schrottig war. Aber im „Rio“ ging es ja sowieso schon immer mehr darum, wer da ist, wer am wildesten feiern kann, wer sich am schönsten daneben benimmt und nicht um den Namen oder die Qualität der DJs. Das nächste Mal können Sie am kommenden Sonnabend im „Pax“ testen, wie sich das „Rio“ im Exil anfühlt. Und wo’s weitergeht mit der Odyssee erfahren Sie dann auch wieder hier.

Die Party „Legacy" mit DJ DSL, im Kinzo an der Karl-Liebknecht-Straße 11 in Mitte. Am Sonnabend, ab 23 Uhr.

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