Zeitung Heute : Mark Wössner verlässt Chefsessel im Aufsichtsrat, Gerd Schulte-Hillen folgt nach

Madleen S. Dintner

Nein, nicht von Miele, von Bertelsmann, stupid. Die Chefsache, absolut. Verkündet nicht vom Unternehmenssprecher, sondern von dem, der als Eigner das Geld und das Sagen hat in diesem aus einer kleinen Druckerei gewachsenen big player des internationalen Mediengeschäfts: Reinhard Mohn (79). Er, für den Bezeichnungen wie Grandseigneur und integer geradezu hätten erfunden werden müssen, demonstriert gekonnt, wie durch eine persönliche Erklärung von ganz hoch oben gleich all denen der Wind aus den Segeln genommen werden kann, die den Koloss aus Gütersloh wanken sehen.

Mark Wössner, der Aufsichtsratsvorsitzende der AG, geht. Die im Hause übliche "langfristige Unternehmenskontinuität" wird neu geordnet beziehungsweise sei gesichert, so die Mohn-Erklärung. Der 61-jährige Wössner, seit 32 Jahren in Bertelsmann-Diensten, die letzten 16 davon als Vorstands-Chef, ist derjenige, der neben dem Fundament auch noch die Etagen baute, die das Haus Bertelsmann groß und hoch und weit und breit machten. Er verlässt seine hochrangigen Posten in Gütersloh (neben Aufsichtsratschef auch Vorstand der Bertelsmann Stiftung) Ende Oktober dieses Jahres. Nimmt er auch die schützende, leitende und kontrollierende Hand von Thomas Middelhoff ("Er ist doch fast wie ein Sohn für mich"), seinem Nachfolger im Amt des Bertelsmann-Vorstandschefs? Oder bedeutet, seiner persönlichen Lebensplanung "zu folgen, eigenunternehmerische Tätigkeiten" mit eingeschlossen, nur soviel, auf engstem Raum mit R.M. nicht mehr zu wollen, nicht mehr zu können?

Jedenfalls orientiert sich da jemand neu, der bis dato so verheiratet schien mit "seinem" Unternehmen wie Hubert Burda mit seinem Medienhaus Burda. Nun bleibt er "freundschaftlich verbunden", bleibt Mandatsträger oder wird es, im Kreis der verbundenen Unternehmen und Institutionen, wie es heißt. Mohns Segen scheint er zu haben. Nicht mehr - und nicht weniger.

Und in Gerd Schulte-Hillen (59), dem amtierenden Vorstandschef des Zeitungs- und Zeitschriftenhauses von Bertelsmann, Gruner + Jahr, steht der neue Aufsichtsrats-Vorsitzende und ein neues Stiftungs-Vorstandsmitglied bereit. Das ist die eine Seite. Die andere, operative, muß mit den abstrahlenden atmosphärischen Störungen leben und geht westfälisch-stur ihren Gang. Vorstandschef Thomas Middelhoff, der in der Mohn-Erklärung nicht stattfindet, war während der Verkündung der unfrohen Botschaft auf dem Weg nach Seattle, zu Bill Gates. Der hat ja bekanntlich auch seine Probleme. Was hatte doch Mohn anlässlich seines 75. Geburtstages anno 1996 angemahnt? "Wir müssen uns bewegen - rasch." Vielleicht borgt Ihnen Bill Gates seinen Lear Jet, Herr Middelhoff?!

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