Marke Hollywood : Frech wie Oscar

Das ist frech wie Oscar. Findet jedenfalls der BBU, der Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen. Es ist nicht irgendein Verband. 360 Unternehmen, denen in Berlin 40 Prozent aller Mietwohnungen gehören, sind Mitglied. Ein starke Lobby also, die sich gern zur Lage auf dem Wohnungsmarkt äußert. Dass Berlin aus allen Nähten platzt, Wohnraum fehlt, die Politik zu wenig dagegen tut. Darüber berichtet auch diese Zeitung. Wohnungsnot, steigende Miete, ein Dauerbrenner. Sie kennen das.

Und alle Jahre im März treffen sich die Chefs der Firmen zum Verbandstag in Bad Saarow vor den Toren Berlins, nobel und grün ist es dort. Es gibt Häppchen, Sektchen. Und es gibt Preise. In diesem Jahr für „Kundengewinnung und Kundenbindung im Internet“, letzteres für Projekte von Azubis. Die Gewinner bekamen stets den „Immobilienoscar“. Damit ist jetzt Schluss. Ab sofort gibt es nur noch den „BBU-Preis“. Ansonsten droht ein Strafgeld von 10 000 Euro.

Veranlasst hat das eine große Berliner Anwaltskanzlei. Die mahnt alles und jeden ab, der irgendwelche Preise Oscar nennt. Oder vielleicht kleine goldene Figuren verkauft, die aussehen wie der Oscar aus Hollywood. Denn die Kanzlei vertritt die Academy of Motion Picture Arts and Sciences.

Beim BBU ist man erstaunt, hat nicht damit gerechnet, weil Oscar doch ein Alltagsbegriff sei. Von wegen. Das sei immer so, wenn für eine langweilige Preisvergabe Oscar benutzt wird, um Aufmerksamkeit zu erregen oder um sich im Ruhm der Marke zu sonnen. Sagt die Kanzlei. Ja, Oscar ist eine Marke und der Verband nicht der erste, der das zu spüren bekommt. Vor knapp einem Jahr wurde dem Springer-Verlag untersagt, den „Bild-Osgar“ zu verleihen, ein Medienpreis für Menschen, die sich um Frieden, Freiheit, Deutschlands und Europas Einheit verdient gemacht haben, Schlagerstar Andrea Berg, Altkanzler Helmut Kohl … Im April befasste sich der Bundesgerichtshof sogar mit Italiens Staatsfernsehen, weil auch in Deutschland Sendungen wie „Oscar de la musica“ zu sehen waren.

Es gehört zum Geschäft der Kanzlei. Das ist ihr Auftrag. Sonst würde die Marke Oscar ihren Schutz verlieren, sie muss verteidigt werden. Am Dienstag gibt es dazu am Landgericht Berlin einen Prozess. Eine Firma, die Hollywood unterlag, wehrt sich, will die Marke beim Patent- und Markenamt löschen lassen. Es gab schon mehrere solcher Versuche, bisher ohne Erfolg. Bei der Firma konnte man im Internet kleine Oscar-Statuen bestellen, samt Gravur wie „Oscar für die beste Mutter“ oder „Oscar für den besten Freund des Jahres“.

Alexander Fröhlich

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