Markenstreit : Die Farbe Gelb tebartzen

Der Langenscheidt-Verlag muss mal wieder vor Gericht seine Farbe Gelb verteidigen. Unser Kolumnist Helmut Schümann hat in dem Zusammenhang das Jugendwort des Jahres entdeckt: Tebartzen. Was so viel heißt, wie auf großem Fuß Geld verschwenden.

Tagesspiegel-Kolumnist Helmut Schümann.
Tagesspiegel-Kolumnist Helmut Schümann.Karikatur: Tagesspiegel

Die Farbe Gelb ist nicht zuzuordnen. Wir kennen die gelbe Gefahr. Das ist ein bisschen rassistisch und meint eine Bedrohung, die aus dem Osten der Welt kommt. Wir kennen das Gelbe Trikot. Das steht für Doping. Das war aber nicht immer so. Man konnte des Gelb am Radfahrer auch mal als Gold sehen, an dem alles hängt und zu dem alles strebt. Dann gibt es noch die Yellow Press und das Gelb der FDP, Schmuddelkram also. Aber schon das jahrhundertealte Gelb der Post, das dann von Magenta (s. o. unter Doping) abgelöst wurde, das Gelb der alten Post war nicht nur die Farbe der Langsamkeit. Hoch auf dem gelben Wagen wurde nicht nur ein früherer deutscher Außenminister transportiert, sondern auch so manche frohe Botschaft und bedeutsame Depesche. Da ist dann die Farbe Gelb im weitesten Sinne die Farbe der Aufklärung. Womit ich über einen kleinen Umweg beim Langenscheidt-Verlag angekommen wäre. Welcher Schüler kennt sie nicht, die alten, handlichen Wörterbücher des Verlages, Latein – Deutsch, Englisch – Deutsch, Französisch – Deutsch, Russisch – Deutsch. Und alle waren sie gelb.

Es gab sie auch im Miniaturformat, klein wie eine Streichholzschachtel. Aber da war das Gelb mehr Signalfarbe, damit der Lehrer sehen konnte, dass da hinten in der vorletzten Reihe gerade ein Täuschungsversuch im Gange war.

Ums Gelb wird mal wieder gestritten. Der Bundesgerichtshof hat zu entscheiden, ob Gelb eine Farbmarke ist, die für Wörterbücher nur Langenscheidt verwenden darf oder auch der Konkurrent Rosetta Stone aus Amerika. Ein bisschen anachronistisch mutet der Streit an. Weil der Übersetzungs-App ziemlich egal ist, welche Farbe dieses antike Ding, das man mal Buch nannte, einst hatte. Farbmarke ist so etwas wie Titelschutz. Zeitgleich streitet zum Beispiel die Firma de Beukelaer mit einem anderen Keksanbieter um das Recht am „Mikado“, einem Keksstick. Noch ein Beispiel: Es gibt da ein Buch, das heißt „Der Pubertist“. Den Titel hat eine andere Autorin schamlos übernommen: „Die Pubertistin“. Und derzeit steht „Das Pubertier“ in den Bestsellerlisten. Aber es ist Zeit- und Geldverschwendung, sich darüber zu beschweren. Der Langenscheidt-Verlag hat übrigens gerade das Jugendwort des Jahres gekürt. Das ist „tebartzen“, geht auf den vormaligen Limburger Bischof zurück und meint, sich etwas besonders Teures zu leisten, verschwenden, das Geld mit den Händen zum Fenster hinauswerfen. Tebartzen eben.

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