Martensteins Berlinale (IX) : Blutiges Fleisch haben diese Menschen am Po

Noch einmal zu „Shades of Grey". Harald Martenstein erklärt, was die Sado-Szenen mit den Grünen zu tun haben - und warum ein anderer Berlinale-Film für die Linken gemacht ist.

Weiß um die Mechanismen des Berlinale-Wettbewerbs: Harald Martenstein.
Weiß um die Mechanismen des Berlinale-Wettbewerbs: Harald Martenstein.Foto: Britta Pedersen/dpa

Zunächst eine persönliche Erklärung. Dass es in dieser Kolumne häufig um Sexualität und menschliche Ausscheidungen geht, hat mit dem Programm der Berlinale zu tun. Berlin ist nicht Haiti, und die Berlinale ist nicht das Sandmännchen. Lügenpresse? Ohne mich. Nun zu „Shades of Grey“.

In den Musikvideos von Madonna sind viel härtere SM-Szenen zu sehen als in „Shades of Grey“. Wer Sadomaso sehen möchte, muss sich an Madonna halten. Der Film ist besser als das Buch. Ich stimme der Kollegin zu, die geschrieben hat, dass „Shades of Grey“ mit Steve Buscemi in der Rolle des Mister Grey vielleicht sogar ein richtig guter Film geworden wäre. Leider ist Buscemi, der irre Gangster aus „Fargo“, ein wenig zu alt.

Die Story erinnert stark an „Pretty Woman“, der Milliardär und das Aschenputtel. Und in Wirklichkeit geht es nicht darum, dass ein Sadist sich eine Frau unterwirft – nein, in Wahrheit ist es sie, die ihn therapiert und von seiner lästigen Angewohnheit, Partnerinnen auszupeitschen, nach und nach befreit. Eine starke Frau verliebt sich in einen interessanten, aber gestörten Typ. Dann biegt sie ihn sich zurecht. So läuft es doch meistens.

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Mit Harald Martenstein bei "Fifty Shades of Grey"
Mit Harald Martenstein bei "Fifty Shades of Grey"

Es gibt gar nicht so viele Peitschen in „Shades of Grey“, häufiger tauchen Produkte der Firmen Audi und Apple auf. Wenn in den Sexszenen die Gefahr besteht, dass ein Geschlechtsteil ins Bild gerät, kommt ein Schnitt und sie zeigen das Logo von Audi. Die vielleicht wichtigste Botschaft des Films: Männer, die eine Schacke haben und ein nicht vorzeigbares Geschlechtsteil, fahren Audi. Schöne Frauen fahren VW. Als Audi-Chef würde ich die Regisseurin verklagen.

Vor dem ersten Sex soll die Heldin eine Einverständniserklärung unterschreiben. Vor der Auspeitschung muss sie sich schriftlich dazu verpflichten, niemals zu rauchen, nur mäßig zu trinken und sich stets gesund zu ernähren. In der Sadoszene ist jeder Tag ein Veggieday. Blutiges Fleisch haben diese Menschen am Po, das reicht ja auch. Ich vermute, solche präkoitalen Einverständniserklärungen werden als Forderung im nächsten Wahlprogramm der Grünen auftauchen. In Peter Greenaways umstrittenem Film über den Regisseur Eisenstein steckt sich einer der Protagonisten dagegen eine rote Fahne in den Po. Dieser Film ist wohl eher für die Anhänger der Linkspartei gemacht.

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