Zeitung Heute : Massage am Arbeitsplatz

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„Keine Sorge, Sie bleiben bekleidet.“ Wie schön, schließlich, wer mag sich schon vor den Kollegen freimachen, wenn Christoph Romano zur Massage kommt. Denn der gelernte Physiotherapeut knetet seine Klientel am Arbeitsplatz. 20 Minuten dauert die Behandlung, der Patient kniet auf einem eigens entwickelten mobilen Therapiestuhl, den Romano in der Reisetasche mitbringt, das Gesicht ruht auf einem Kissen, für die Nase ist eine Öffnung ausgespart.

Das Verfahren kommt aus Amerika, massiert werden „spezielle Akupressurpunkte und Nervenbahnen, um maximale Entspannung und Wohlbefinden zu erreichen“, wie der Prospekt von Romanos Berliner „Medizinischem Therapiezentrum" verspricht. Vor allem für Nacken und Rücken soll es ein Labsal sein. Und wie gesagt, das Hemd kann man anbehalten, die Hose natürlich auch.

Dreieinhalb Jahre machen Romano und seine fünf Kollegen das schon, alle sind ausgebildete Physiotherapeuten. Und die Geschäftsidee ist auch ein bisschen aus der Not geboren: die Arbeitszeit vieler Angestellter ließ sich immer schlechter mit den üblichen Praxiszeiten vereinbaren. Kommt aber die Klientel nicht mehr zur Massage, muss es eben umgekehrt gehen.

Eine ganze Reihe Firmen scheint dabei mitzuspielen, immerhin verspricht die Prophylaxe durch Massage gesündere und damit kreativere Mitarbeiter. Denn allein durch Rückenschmerzen fallen nach Schätzung des Fraunhofer Instituts für Arbeitswirtschaft und -organisation Ausfallkosten in zweistelliger Milliardenhöhe an. Romano verweist denn auch in seiner Referenzliste auf Unternehmen wie die Bundesdruckerei, die Hypo Vereinsbank und die Grohe Armaturen GmbH, in deren Räumen er massieren kommt.

Romano legt also los und ehrlich gesagt, leicht fällt es einem nicht, sich vor den Augen der arbeitenden Kollegen zu entspannen. Weh tut es auch, aber das muss wohl so sein. Schuld seien die verklebten Muskelfasern, an denen sich Stoffwechselprodukte ablagern, behauptet der Masseur und walkt einen mit harter Hand durch. Alles Folgen einseitiger oder sogar mangelnder Bewegung, kriegt man aber weg, wenn man nur ordentlich die Durchblutung anregt. Nach 20 Minuten tut es immer noch weh. Aber wenn es doch hilft.lat

Mobile Massage, ab 13 Euro, R&T Medizinisches Therapiezentrum, Telefon: 76405711, www.R-T-Therapiezentrum.de

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