Zeitung Heute : Massen! Lachen!

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Markus Ehrenberg freut sich

über Kanzlerwitze im Internet

Plötzlich waren sie da, die Witze zu Wahlversprechen, Maßanzügen, Currywürsten und Doris, kurz: die Kanzlerwitze. Keiner weiß, wo die Späße jetzt herkommen, und wer die erfunden hat, so kurz nach der Wahl. Die „Bild“Zeitung wahrscheinlich. Sie füllt damit kleine Seitenecken im Blatt, wohl immer dann, wenn Anzeigen fehlen. Im Internet stehen die gesammelten Werke unter „Fun & Lachen“, gleich neben der „Gerd-Show“. „Die besten Kanzlerwitze“ heißt es da, ein Sammelsurium aus dem World Wide Web. Im Internet werde „kräftig zurückgelacht“, meint „Bild“ herausgefunden zu haben. Womit sich der Kanzler nun zur Witzfigur gemacht hat, das erschließt sich nicht wirklich. Wahrscheinlich wurmen viele Menschen Schröders Steuererhöhungen. Die erzählen sich jetzt viele superlustige Kanzlerwitze. Kostprobe: Was ist der Unterschied zwischen der SPD und einer Telefonzelle? In der Telefonzelle muss man erst zahlen und darf dann wählen… Und gleich noch einen. Das Telefon klingelt. Meier: „Meier“. Schmidt: „Oh Entschuldigung, da habe ich falsch gewählt“. Meier: „Macht doch nichts. Das haben wir schließlich alle.“

In diesem Stil geht das dann weiter. So lustig wie „Bild“ findet das die Internet-Gemeinde nicht. Ruft man bei der Suchmaschine „Google“ den Begriff „Schröderwitze“ ab, kommen 22 Treffer, unter „Kanzlerwitze“ ganze neun. Mal ehrlich, hat jemand in den vergangenen Tagen Kanzlerwitze gehört, in der Bahn, im Büro, am Stammtisch, auf dem Bau oder per E-Mail? Irgendwie kommt einem „Lachen mit Bild“ so vor wie der hechelnde Witzeerzähler in der Harald-Schmidt-Show, der seinen Humor („Kommt ’n Ossi zum Arzt …“) am Telefon los werden darf – so lange, bis Schmidt den Hörer auflegt.

Gut, nach Ossiwitzen der Trend zum Kanzler also. Vielleicht ist Lachen auch nicht mehr so einfach. Vielleicht braucht es dafür „Merkur“, die „Deutsche Zeitschrift für Europäisches Denken“. Thema des aktuellen Heftes: Lachen. Kanzlerwitze kommen leider nicht vor, aber so schöne Themen wie das „Menschenrecht auf Spaß“, die „Massen und ihr Lachen“ („Wer findet denn so etwas komisch?“) und die Forderung: „Ein Heft, das das Lachen ernst nimmt, muss folgerichtig im Gelächter enden“. Genau. „Lachen mit Bild“ darf nie enden. Steuererhöhungen auch nicht. Bitte morgen wieder: Ganz viel Gelächter! Kanzlerwitze! Massen!

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