Zeitung Heute : MASSGABE

Konzentriert richtet die junge Frau ihren Blick in die Ferne. Wie ein Fluglotse streckt sie einen Arm über den Kopf, der andere scheint einen Abstand nach unten zu begrenzen. Die Füße schweben einige Zentimeter über dem Boden.

Florian Merkel lädt in seiner Acrylarbeit „Maßgabe“ (2003) eine scheinbar alltägliche Geste mit symbolischer Bedeutung auf. Da der Körper isoliert agiert, ein Gegenüber fehlt, wird die Geste zur Chiffre. Das Vermessen ohne feste Bezugsgröße erscheint als gymnastische Groteske. In Merkels lebensgroßer Figur mischt sich die Bildsprache der Popart mit Werbeästhetik, aber auch mit politisch-ideologischer Rhetorik. Ihres Kontextes beraubt, aufgebläht durch theatrale Symbolik, wird jedoch keine Aussage mehr vermittelt, laufen die Informationen ins Leere. Was ihr Signal zu bedeuten hat, weiß vielleicht noch die Ausführende. Mit modernem Kurzhaarschnitt, funktional femininer Kleidung vertritt sie einen Frauentypus, der in der flimmernden Werbewelt wie in nüchternen Büroräumen auftaucht. Auch in den Räumen der Berlinischen Galerie ist er als Ausstellungsbesucherin zu finden.

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